Kreuzwege 2

Iareth blickte über Elinhir. Die verlassenen Straßen leuchteten so hell, dass es in die Augen stach und weder Mensch noch Mer verließ seine Häuser während die Sonne so ungnädig brannte. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und griff an seinen Gürtel um einen wohl bemessenen Schluck Wasser aus seiner Flasche zu nehmen. Als er die Flasche wieder verschließen wollte glitt ihm der Verschluss aus der Hand und stürzte in die Tiefe. Schweigend schaute er ihm nach und es dauerte eine ganze Weile bis das leise Klicken des Aufschlags auf dem glühenden Pflasterstein unter ihm zu hören war. Iareth hing gute 50 Meter über dem Boden an einem Seil, das nicht weit über seinem Kopf mit einem Metallhaken in der Fassade befestigt war. Jetzt schaute er nach rechts. Ein junger Khajit sah in mitleidig an. Auch er hing in 4 Meter Entfernung an einem Seil, dass in ein Ledergeschirr um seine Taille griff und in der Fassade verankert war.

„Kein guter Tag, was?“ sagte der Katzenmensch mit kehliger Stimme und schaute ebenfalls hinab. Iareth seufzte. „Kein Problem,“ sprach der Khajit weiter, „wir machen eine Pause, trinken dein Wasser und danach teilen wir.“ Er zeigte ein zähnebleckendes grinsen und Iareth musste beim Anblick des freundlichen Gesichts lachen. „Danke, Rasha.“ Beide kletterten ein Stück aufwärts, bis sie sich an einem Sims trafen, auf dem sie sitzen konnten. Schweigend tranken sie das Wasser und schauten über die Stadt. „Tot, wie ein ausgetrockneter Fluss.“ Kommentierte Rasha. Iareth nickte und reichte dem Khajit den letzten Schluck aus seiner Flasche. „Heute Abend wird es mehr zusehen geben, verlass dich darauf. Es gibt einen Fackelmarsch für die Freiheit oder den Frieden oder so ähnlich. Die Wardonen sind ziemlich patriotisch gestimmt momentan.“ Rasha kicherte und erwiderte, „ich hoffe nicht das wir bis heute Abend kraxeln müssen.“ Iareth machte ein undefinierbares Geräusch zwischen Seufzen und Zustimmung und sagte, „na dann machen wir besser weiter, was?“ Unzählige Hammerschläge und Spachtelstriche später, als auch die Wasserflasche Rashas zur Neige ging, die sie mit gezielten Würfen untereinander ausgetauscht hatten, und die Sonne sich langsam dem Horizont näherte, kam endlich von oben das Signal, dass sie für heute Feierabend machen konnten. Die beiden kletterten Aufwärts, lösten ihr Geschirr von der Wand und schoben sich am Sims entlang, bis sie das Fenster erreichten, von dem aus sie in den Turm gelangten. „Und wollen wir den Wardonen noch beim marschieren zuschauen?“ Fragte Rasha Iareth und grinste wieder. „Nee, heut nicht, ich hab noch ein treffen, kann ich nicht sausen lassen.“ Der Khajit zuckte mit den Schultern und die beiden verließen den Turm. „Dann bis morgen!“ rief die Katze und verschwand geschickt in der Menge, die sich nun langsam in den Straßen staute, um ihrem Patriotismus Ausdruck zu verleihen. Iareth sah ihm nach und ging dann in die entgegengesetzte Richtung, wobei er sich zwischen den wartenden, lachenden und trinkenden Rothwardonen hindurchschlängelte.

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