Kreuzwege 6

Auf seinem Weg versuchte Iareth die Menschenmassen zu umgehen, die sich jetzt in den Straßen sammelten, um an der feierlichen Prozession teilzuhaben. Es war nicht einfach und mehrfach musste er seine Route ändern, weil lachende und scherzende Gruppen die Gassen verstopften. Schließlich erreichte er einen verlassenen Marktplatz, der schon lange keine Händler mehr gesehen hatte und mittlerweile als Treffpunkt für zwielichtiges Gesindel diente. Es war ruhig. Einige Straßenhunde und Vögel waren zu sehen und ein paar Elendsgestalten, die sich in Lumpen gehüllt und unkenntlich, hier ein Lager für die Nacht eingerichtet hatten.

Er sah sich um, als sich aus einer Seitengasse ein Schatten löste und auf ihn zukam.

„Iareth.“ Sagte die Gestalt und schlug die Kapuze zurück.

„Volmyn,“ sagte Iareth und zeigte die Spur eines Lächelns. Volmyn war ein junger Dunmer, mit auffälliger Tätowierung im Gesicht und harten, schwarzen Augen. Er wirkte ein wenig verwahrlost aber auch gerissen und vorsichtig. „Leider nichts Neues,“ sagte Volmyn, ohne eine Frage abzuwarten. „In letzter Zeit kommt hier wenig an, ist ja auch kein Wunder… wie hat dir der Wein geschmeckt?“

„Bestens,“ erwiderte Iareth, „aber auch ein bisschen nach Kaiserreich.“ Volmyn lachte. „Ja, das ist der Geschmack der Heimat. Die Weine der Zukunft werden wohl nach Asche schmecken, oder nach Grünhäuten.“ Er spuckte aus.

Iareth lächelte nicht und sagte nur, „was ist dunmerischer als Asche… na, Sklavenhandel vielleicht.“ „Nur nicht so zynisch,“ tadelte ihn Volmyn, „wir Dunmer müssen die Fahne jetzt hochhalten. Gerade wir ausgewanderten, weil man uns hier nicht haben will und Zuhause auch nicht.“ Iareth sah auf und Volmyn zeigte seine grauen Zähne. „Mann, ich dachte du kommst mal ein bisschen in bessere Stimmung, jetzt wo du diese Arbeit am Turm hast. Kannst dir ja ein Leben aufbauen in Elhinir. Suchst dir ne hübsche Frau oder kaufst dir eine, ich hab gehört die Khajiit sind echt günstig…“

„Also, nichts Neues?“ Unterbrach ihn Iareth und sah ihn streng an. „Ich dachte vor zwei Tagen wäre ein Händler durchgekommen.“

„Ja,“ antwortete Volmyn, „der hatte aber nur feinen Kram für feine Leute. Nichts was du dir leisten könntest, außer du veräußerst das alte Brotmesser da.“ Er warf einen begierigen Blick auf Iareths Rücken.

„Ich bin sicher du würdest mir einen tollen Preis machen, aber ich verzichte, danke.“

„Ich raff das nicht. Ziehst die Heimat in den Dreck und trotzdem willst du diesen ganzen Mist aus Morrowind kaufen. Klammerst dich an dieses Schwert obwohl du nicht kämpfen willst und die Dunmer hasst.“

„Ich hasse die Dunmer nicht,“ sagte Iareth aufgebracht, „ich…“

Doch weiter kam er nicht, den Volmyn hieß ihn schweigen und blickte ans andere Ende des Platzes. Zwei Rothwardonen, in Harnisch und mit Hellebarden bewaffnet kamen die Straße herauf. „Merk dir was du sagen wolltest. Nächste Woche hier.“ Und im nächsten Moment verschwand er in der Gasse aus der er gekommen war. Auch Iareth konnte auf ein Gespräch mir der Stadtwache an diesem Ort und um diese Zeit verzichten. Er sah sich um und erblickte nicht weit von ihm eine feuchte Treppe, die in einen Schacht zur Kanalisation führte. Kurzentschlossen schwang er sich in den Schacht und stieg die Stufen hinunter. „Hey!“ hörte er die Männer rufen, die sein fluchtartiges verschwinden offenbar bemerkt hatten, doch er öffnete flink die rostige Eisentür und verschwand in der Dunkelheit dahinter.

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