Kreuzwege 8

Iareth ging eine Weile lang zügig und ohne sich zu orientieren durch die Gänge der Kanalisation, denn er war sich nicht sicher ob die beiden Wachen sich die Mühe machen würden ihn hier hinunter zu verfolgen. Schließlich, als er stehen blieb und außer das Tropfen von den Wänden keine Geräusche vernahm, schlug er ein gemächliches Tempo an. Er war selten hier unten und mochte es nicht besonders. Am Tage waren immerhin Leute unterwegs und er hatte bereits einige Arbeiter kennengelernt die hier unten regelmäßig ihre Arbeit verrichteten, doch nun war es wie ausgestorben. Allein die Fackeln und die liegen gelassene Arbeit zeugte von der Geschäftigkeit des Tages. Er war in einem schmalen Gang, von dem ab und an Gänge und Hallen abzweigten, allerdings ohne eine Möglichkeit zur Orientierung. Er machte sich jedoch keine Sorgen. Für gewöhnlich erreichte man irgendwann einen der Hauptgänge und die zeigten immer an wo man sich befand und in welche Richtung ein Ausgang lag. Nach einer viertel Stunde, begann er ein Lied zu pfeifen und es faszinierte ihn, wie der Klang in den schweigsamen Gängen der Kanalisation hundertmal verstärkt und zurückgeworfen wurde. Die Melodie war langsam und tragend, aber auch hoffnungsvoll; ein altes Schlachtlied, dass sie früher oft vor Kämpfen gesungen hatten und das von den Dingen handelte, für die die Krieger in die Schlacht zogen: Familie, Liebe, Heimat…

Iareth hing seinen Gedanken nach und merkte kaum, dass er den erwarteten Hauptgang erreicht hatte. Mehrere große Lagerräume erstreckten sich vor ihm, alle mit einer Nummer versehen. Er stand vor Halle 23 und ein Pfeil sagte ihm, in welche Richtung er gehen musste, um den nächsten Ausgang zu finden. Er war gerade beider letzten Zeile des Liedes, dessen Text er in Gedanken mitsang, als er stimmen vernahm. Offenbar gab es doch noch einige späte Arbeiter, oder Taugenichtse wie Volmyn einer war, die hier unten den Augen der Stadtwache entgehen wollten. Sein Lied war zum Ende gekommen und jetzt merkte er, dass die Stimmen aufgebracht waren. Sie waren jetzt sehr laut, aber da sie von den Steinwänden widerhallten konnte er sie nicht verstehen. Er war schon fast bei Halle 11 angelangt, da verstand er erstmals was im Innern gerufen wurde.

„Was soll das heißen?“

„Ihr werdet hierbleiben müssen.“

Iareth runzelte die Stirn und trat vor die Halle mit der Nummer 11. Sein Blick glitt über die Rücken zweier Männer, die offenbar zwei weitere Personen, eine davon ein Argonierin, bedrängten. Er blieb stehen und erkannte, dass sie blanke Schwerter in den Händen hielten. „Guten Abend.“ sagte er ruhig und bemerkte einen weiteren Mann, der im hinteren Teil der Halle mit gehässigem Blick seine Opfer taxierte. Die beiden mit den Schwertern drehten sich zu ihm um, ohne aber die Klingen sinken zu lassen. „Verschwinde!“ raunzte der eine, beide schienen durch sein erscheinen aus der Ruhe gebracht. Iareth hob beschwichtigend die Hände aber ohne ein Zeichen von Furcht. Er ließ den Blick durch die Halle schweifen und fixierte dann den Dunmer im Hintergrund, der der Anführer zu sein schien. „Ich bin zufällig hier vorbeigekommen und habe Stimmen gehört. Gibt es etwa ein Problem? Ich bin sicher, es ist unnötig die Klingen zu ziehen.“ Die beiden Männer, die immer noch die Argonierin bedrohten, erschlaffte etwas in ihrer Haltung und sahen sich unsicher zu ihrem Rädelsführer um. „Das hat nichts mit dir zu tun.“ sagte dieser unwirsch und sein Blick blieb am Schwertknauf hängen, der sich hinter Iareths Kopf hervor bog. „Nun,“ sagte Iareth mit einem Lächeln und ging noch einen Schritt in die Halle, „das ist zweifelsfrei richtig, aber das Schicksal hat mich nun einmal hierhergeführt, ob es uns nun passt oder nicht. Ich hoffe doch, es wird nicht zu unser aller Scha­den sein.“ Er wandte den Blick vom Dunmer ab und sah wieder die beiden Schwerträger an, sein Blick war nicht unfreundlich aber erwartungsvoll.

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