Kreuzwege 14

Wohingegen sich Martha wie zu Hause fühlte. Das Lokal war ihr zweites Wohnzimmer, wenn sie denn in der Kämpfergilde mit ihren immergleichen Kasematten überhaupt über ein separates Zimmer verfügte. Hier im Weinbüttel trafen sich die aus den anderen Ländern. Kaufleute, Gesandte, Boten, Reisende, Abenteurer, alles was unterwegs war Richtung Westen oder ins Herzland des Kaiserreichs. Es war ein buntes Völkchen, man hörte alle Dialekte und Sprachen, manchmal war es schon ein weltmännisches Gehabe, aber so auf einen Haufen sahen manche sich genötigt etwas her zu machen. Martha war nicht etwas Besonderes, weil sie Argonierin war, sondern einzig alleine aufgrund ihrer Persönlichkeit und Ausstrahlung. Jeder so schien es wollte sie begrüßen, ein paar herzliche Worte mit ihr tauschen oder ein Lachen erhaschen. Sie konnte im selben Augenblick die dickste Freundin geben und für den Anderen eine gnädige Königin. Ihr Gesicht war gleichzeitig undurchdringlich majestätisch und herzerweichend lebendig. Das lag insbesondere an der Wirkung ihrer Augen. Darin schien sich ihre mimische Ausdruckskraft zu fokussieren, während der Rest ihres Gesichtes in symmetrischer Eleganz gemeißelt war. Ihre Lippen waren reptilienhaft schmal, nur an den Spitzen konnten sie sich weich aufwölben. Ihre Wangen waren eher mit dem schildhaften Schutz eines Helmes vergleichbar und ihre Nase wölbte sich nur ganz zart aus der hügeligen Landschaft ihrer Physiognomie.

Cyrus hatte sie nicht hier kennengelernt, er war hier kein Stammgast, auch nicht über die Gilde, sondern in der Pferdearena. Martha war eine große Spielerin, sie hatte ein gutes Händchen dafür. Wenn sie gewollt hätte, dann hätte sie durchaus von ihren Wetteinnahmen leben können. Ihr Erfolg beruhte nicht auf reinem Glück, das ist klar. Sie hatte Erfolg, weil sie über die richtigen Informationen verfügte. Wie sie da heran kam, das war ihr Geheimnis.

„Du bist ein interessanter Typ, Iareth“, eröffnete sie gleich nachdem Cyrus einen großen Krug Hauswein geordert hatte, „du hast eine ruhige und bescheidene Art. Wie du da unten mit den Banditen geredet hast, dachte ich du wärst ein Wichtigtuer, so einer wie es ihn überall gibt, die glauben sie kriegen alles geregelt. Aber wie du deinen Säbel gehalten hast, das hat mich eines Besseren belehrt. Du scheinst zu meinen was du sagst. Das gefällt mir Iareth. Erzähl mir mehr von dir. Was treibt dich her? Was machst du für deinen Lebensunterhalt? Mir würde es einleuchten, wenn du Trainer wärst. Vielleicht sogar ein Meister.“ „Ja, komm erzähle, ich bin auch ganz gespannt“, drängte Cyrus.

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