Kreuzwege 23

Iareth sah auf die schuppige Hand die auf seiner lag und dann hoch in die gelben Augen die ihn durchdringend ansahen. Hatte er sie gekränkt? Erstmals hatte er das Gefühl, das unerschütterliche Selbstbewusstsein der Argonierin wanke. Wozu brauchte sie seinen Respekt? Schon verspürte er Scham für seine unbedachten Worte.

„Ach ja, und wenn du sie mal besuchst, dann bestehe darauf, dass sie sich wäscht. Sie nimmt’s nicht so genau.“

Sie lachte. Er zog seine Hand unter ihrer Weg. Er verstand nicht genau; nahm sie Anstoß an der Vorstellung, dass er zu Yasmin gehen könnte? Er erhob sich, um die beiden zu verabschieden. „Danke, Cyrus,“ sagte er und reichte ihm die Hand. „Martha,“ erneut Blickte er die Argonierin an, „ich wollte nicht unhöflich sein. Ich kenne die Gebräuche und Menschen in diesem Land noch nicht gut. Vielleicht gibt es irgendwann noch einmal Gelegenheit darüber zu sprechen.“ Er reichte auch ihr die Hand.

Als sie winkend die Gasse verließen setzte er sich wieder und hing seinen Gedanken nach. Im Weinkrug war noch ein letzter Rest den er sich einschenkte. Hatte Cyrus es ernst gemeint mit seinem Angebot, oder wollte er nur höflich sein? Es hatte nicht den Anschein gehabt. Cyrus hatte sehr bestimmt gesprochen und zuvor von der Kraft der Worte und von Verstandeswesen geredet. Er würde sich keinen Scherz mit Iareth erlauben. Aber wollte er seine Arbeit am Turm aufgeben und in ein ungewisses Abenteuer stolpern? Volmyns Worte kamen ihm wieder ins Gedächtnis, klammerst dich an dieses Schwert obwohl du nicht kämpfen willst. Es hatte ihn mehr beleidigt als er zugeben mochte. Früher war er stolz auf seine kriegerischen Fähigkeiten gewesen. Heute war er fern von jeder Kriegsromantik, aber für Cyrus arbeiten hieße nicht in den Krieg ziehen… oder?

Die Gasse war immer noch einigermaßen belebt. Es konnte noch nicht allzu spät sein, aber Iareth würde morgen wieder an der Fassade klettern müssen. Er erhob sich langsam und nahm sein Schwert. Die Straßen hatten sich noch nicht beruhigt, offenbar war der Fackelumzug ein voller Erfolg gewesen. Die Menschen waren bestens gelaunt und tummelten sich noch immer auf den Hauptstraßen und Plätzen. Iareth war müde und versuchte dem Trubel aus dem Weg zu gehen. Unbestimmt machte er sich in Richtung seines Viertels auf.

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