Kreuzwege 27

Sie standen inmitten der Leute und plauderten. Martha winkte plötzlich jemandem, der nicht weit entfernt vorbeischlenderte. Konnte das sein? Cyrus war gleichzeitig verwirrt und überrascht. Im Fackelschein hatte er deutlich M’aiqel erkannt. Aber auch wie er geschickt nach einem am Gürtel eines angetrunkenen Mannes hängen Beutelchen gelangt hatte und ihn verschwinden ließ. Was ist denn in diesen Halunken gefahren? Trieb er einen seiner berühmten Späße? M’aiqel war stadtbekannter Künstler, Gaukler und Schausteller. Er konnte Porträts malen, oder als Zeremonienmeister bei Hochzeiten agieren. Jedes Jahr schmückte er das Neujahrsfest mit seinen riesigen Daedraköpfen, und choreografierte die Tänzer beim Sanguineritual. Ein Tausendsassa, der es immer wieder verstand sich zum Stadtgespräch zu machen. Cyrus sah wie M’aiqel ganz unschuldig tuend davon spazierte und drauf und dran war in der Dunkelheit der Gassen zu verschwinden. Den schnapp ich mir, dachte Cyrus belustigt.

„Martha, bin gleich wieder hier. Ich glaube das war M’aiqel“, rief er ihr zu als er sich zügig an die Verfolgung machte.

„Hab‘ keinen M’aiqel gesehen“, antwortete sie verneinend, aber Cyrus hörte es nicht mehr. Dann wurde sie von einer Freundin in Beschlag genommen.

Weiter unten in der Gasse holte Cyrus ihn ein. Seine Schritte hallten deutlich von den Fassaden wider. Es war dunkel. Nur ein größeres Fenster im oberen Stockwerk erhellte diesig die Umgebung. Gerade als Cyrus nach der Schulter des Khajiiten langte, drehte der sich abrupt um.

„M’aiqel…“, Cyrus stockte und lies von dem Fremden ab. Was für ein Debakel, durchfuhr es ihn. Das ist eindeutig jemand anderes. Selbst in diesem Licht gibt es keinen Zweifel. Aber, was mache ich jetzt? Ein Dieb ist er auch noch. Oh nein. Muss ich die Wachen rufen? Lasse ich es bleiben?

Cyrus zögerte, doch dann entschloss er sich: „Ich bin Cyrus. Mitglied im Stadtrat von Elhinir und Mitglied des Rates der Schwarzmagier. Wenn ich die Wachen rufe und sie veranlasse dich zu durchsuchen, dann werden sie den Geldbeutel bei dir finden, den du gerade eben gestohlen hast. Was dann geschieht, weißt du. Ich schlage vor, dass du ihn mir sofort aushändigst, mir sagst wer du bist und mir das begangene Unrecht erklärst.“

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