Kreuzwege 31

„Besser du hältst dich doch lieber an ehrliche Arbeit, denn zum Dieb taugst du ja nicht viel“, hatte der Magier gesagt und Zanodar damit tief getroffen.

‚Wenn der wüsste … !‘ grummelte er in Gedanken vor sich hin, ‚Zanodar ist ein guter Dieb. Ein sehr guter! Er könnte diesem hochnäsigen Herrn Stadtrat glatt die Robe klauen … samt Unterwäsche. Und er würde es erst merken, wenn ihm der kalte Wind um den Hintern pfiff. Jawohl!‘

Das war natürlich maßlos übertrieben. Schlimmer noch, Zanodar wusste genau, dass es übertrieben war. Solch ein Meisterstück würde wohl nicht einmal Rajhin persönlich fertigbringen. Aber es tat der Seele gut sich vorzustellen, dass er es könnte.

In solche Gedanken vertieft erreichte er die Herberge, die er noch von früher kannte, nur um festzustellen, dass sie mittlerweile in ein Lagerhaus umgewandelt worden war. ‚Schade. Ist der alte Baumknutscher doch schon gestorben,‘ dachte er sich. In einer Stadt wie Elinhir sollte das aber kein Problem darstellen. Und richtig, gleich in der nächsten Gasse entdeckte er eine weitere Herberge, vor der es sich vier Personen gemütlich gemacht hatten.

Zanodar zählte zwei Dunkelelfen, einen Ork und einen älteren Menschen, den er keinem Volk zuordnen konnte. Die Menschlinge sahen auch wirklich alle gleich aus. Einer Eingebung nach hielt er auf sie zu. Einer der vier stand in diesem Moment auf.

„Guten Abend“, grüßte Zanodar höflich, „Die Herren sind sicher Gäste dieser noblen Herberge hier.“

„Und wenn es so wäre? Was geht dich das an?“, antwortete der sitzengebliebene Dunmer und spuckte aus.

Zanodar ignorierte es. „Oh, nichts“, versicherte er sogleich. „Dieser hatte nur vor, hier nach einem Quartier zu fragen. Da ist es immer gut vorher zu wissen, was einen erwartet, nicht wahr?“

Der Dunmer starrte ihn kurz an, dann begann er zu grinsen und lachte schließlich meckernd auf. „Du, Wolli“, wandte er sich an den Menschen, „der will wissen, ob wir noch Flöhe für sein Fell übrig haben.“

Wolli hatte gerade die Flasche angesetzt und verschluckte sich prompt. „Was? … Flöhe? Ich hab keine Flöhe nicht!“ würgte er unter einem Hustenanfall hervor.

„Genau“, meinte der Dunmer, wieder an Zanodar gewandt, „und wir wollen auch keine. Such dir eine andere Bleibe, Katze!“

So schnell gab Zanodar jedoch nicht auf. Mit der Zeit gewöhnte man sich an solche Kommentare. „Dieser hier hat Gold“, fuhr er unbeirrt

fort, „er kann bezahlen“.

„Das ist mir e…“

Wolli unterbrach ihn: „Lasst gut sein, Volmyn. Katzengold ist genauso gut wie jedes andere.“ Prüfend wanderte sein Blick über den Khajiit.

„Ein Goldstück für das Bett und eins fürs Frühstück. Nehmt beides oder lasst es. Einverstanden?“

Zanodar überlegte kurz und nickte dann.

„Gut“, Wolli rieb sich die Hände und deutete auf Iareth. „Ihr habt das Bett neben Iareth. Und kein Skooma in meinem Haus!“

Damit war das Geschäftliche für ihn geklärt. Erneut griff er zur Flasche und prostete seinen Trinkkumpanen zu.

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