Kreuzwege 39

Wieder liefen sie durch die Stadt. Die Straßen in dieser Gegend waren schmal und schmutzig. Überall lag Unrat herum, das meiste davon sicher von der gestrigen Feier. Doch ob sich jemand darum kümmern würde war zweifelhaft. Zanodar hatte trotzdem ein sattes Grinsen im Gesicht während er neben Iareth her lief. Der Grund dafür war einfach: Kopfkino.

„Sohn eines Geiers und einer Schlange“ hatte Iareth den anderen Dunmer genannt. Zanodar sah eine zu dünn geratene Sepnatter mit rot glühenden Augen vor sich, der jemand den eigenen Schwanz um den Hals geknotet hatte. Ja, so gefiel ihm das.

Unbehelligt erreichten sie einen Platz, dessen Zentrum ein verfallener Brunnen bildete. In guten Zeiten mochte das mal ein Markt gewesen sein, einzelne Reste von Verkaufsständen sprachen noch dafür. Auch hier ließ sich niemand sehen, was schon etwas merkwürdig war, doch Zanodar schob es darauf, dass eben viele lang gefeiert hatten und nun ihren Schlaf nachholen wollten. Ihm sollte es recht sein.

Iareth hielt sich nicht lange auf. Er überquerte den Platz, kletterte über die dahinter liegende niedrige Mauer und dann eine Böschung hinab. Gleich darauf standen sie vor einem Eingang zur Kanalisation.

Sie war versperrt.

Iareth fluchte. Das hatte er anscheinend nicht erwartet.

Bei näherem Hinsehen erkannte Zanodar zwei Schlösser, die, anders als die dicken Gitterstäbe, völlig frei von Rost waren. „Die sind neu“, stellte er fest.

Iareth nickte nur. Er wirkte frustriert.

„Nun gut“, seufzte Zanodar, „Lasst diesen einmal probieren.“

Aus einer versteckten Innentasche seiner Hose zog er einen Dietrich hervor, den er, nach einem prüfenden Blick auf den Dunmer, fachmännisch ins Schloss steckte. Es dauerte auch gar nicht lange, bis ein leises Klicken ertönte und das Schloss aufsprang. Das zweite war ebenso schnell geknackt.

„Glaubt bitte den Gerüchten nicht, dass das einem Khajiit angeboren ist“, fühlte er sich verpflichtet Iareth zuzuraunen. „Die meisten von uns wissen fremdes Eigentum zu schätzen.“

Erst als sie eine Weile durch feuchte Gänge gewandert waren, fiel ihm die Doppeldeutigkeit seines letzten Satzes auf. Zanodar ärgerte sich im Stillen. Hatte der Dunmer das gleich bemerkt? Und weshalb hatte er nichts dazu gesagt?

Nun, er würde nicht gleich fragen, denn in diesem Augenblick standen sie vor einer weiteren Tür, und die drei Schlösser davor sahen komplizierter aus. War das Volmyns Lager?

Erneut machte er sich ans Werk. Es dauerte eine Weile, dann sprang der erste Riegel auf. Der zweite ging etwas leichter, doch beim dritten gab es einen hässlichen Knacks und Zanodars Dietrich war nur noch halb so lang.

Jetzt fluchte der Khajiit.

„Zanodar hatte nur diesen.“

Die nächste Zeit verbrachten sie mit Versuchen, die erstaunlich robuste Tür irgendwie aufzubekommen, doch erst als sich beide mit vereinter Kraft mehrmals dagegen warfen, gab sie ihre Gegenwehr auf. Der letzte Riegel brach und der Weg in Volmyns Lager war frei.

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