Kreuzwege 40

Iareth hatte sich auf den Weg gemacht, ohne zu wissen was er sich davon versprach. Er wusste, dass sich die Türen, die zwischen ihm und Volmyns Lager lagen, von seinem Säbel weniger beeindrucken ließen als Volmyn selbst. Mit dem Khajit Zanodar, der ihm, ohne eine Frage zu stellen folgte, hatte er nicht gerechnet und nun schien es ihm, die Daedra mussten ihn gestern vor seine Lagerstatt geführt haben. Der Khajit machte nicht viele Worte und nahm sich der Schlösser an wie ein erfahrener Handwerker. Iareth viel es nicht ein ihn ob seiner Tätigkeit zu tadeln.

Der Raum, der sich ihnen daraufhin erschloss war nicht groß und dennoch wirkte er überwältigend, denn er war bis oben hin vollgestopft mit Plunder. Verschlossene und offene Truhen standen herum und bargen Kleidung, Kelche, Vasen, Puppen, an den Wänden zogen sich Regale entlang, die unter der Last von Büchern fast von der Wand fielen. Zwei Schränke schienen mit alter Rüstung und Helmen gefüllt zu sein. Das meiste was hier lag schien keinen großen Wert zu haben; Trödel, den kein Mensch mehr brauchte. Doch man konnte ahnen, dass das ein oder andere Stück am richtigen Ort, für den richtigen Käufer unschätzbaren Wert haben könnte und vielleicht auch ein echter Schatz auf seinen Finder wartete.

Iareth trat ein und sah sich nervös um. Es behagte ihm nicht hier eingebrochen zu sein und er wollte nur schnell erledigen wozu er gekommen war. Mit einem kurzen Blick zurück auf Zanodar, fing er fieberhaft zu suchen an. Wahllos wühlte er in Kisten und warf Kleidung und Ketten achtlos hinter sich. Plötzlich hielt er inne. „Also,“ sagte er unsicher, „von wegen fremdes Eigentum… Wolltest du wirklich bei den Maurern arbeiten?“ Er hatte etwas anderes sagen wollen, doch plötzlich schien es ihm eigenartig, dass dieser, offenbar sehr fähige Einbrecher, für ein paar Münzen auf der Baustelle arbeiten wollte. Im nächsten Moment fiel ihm ein, dass Volmyn sich aus einem ganz ähnlichen Grund wochenlang über ihn lustig gemacht hatte. „Egal, ich wollte sagen, wo wir schon mal hier sind kannst du dich ja auch umsehen, ich kann es dir schlecht verbieten, nachdem du die Tür aufgemacht hast und, äh…“ Er brach verlegen ab, zögerte kurz und setzte dann seine Suche fort. Nachdem er die meisten Kisten erfolglos durchwühlt hatte ließ er seinen Blick über die Regale schweifen und entdeckte sie, seine Maske, goldgelb und staubig lag sie auf einigen Büchern am hintersten Ende des Raumes. Er kletterte auf eine Kiste und nahm sie in die Hand. Sie war noch genau so, wie sie ihm in der vergangenen Nacht erschienen war, mit dem Unterschied, dass er sie nun nicht mit Furcht, sondern mit Freude anblickte. Ihr golden schimmernder Knochen zeigte das Gesicht eines zornigen Geistes, ihre Rändern und Augen säumte blauer Stein und auf der Rückseite hingen drei Breite Lederbänder, mit der man sie fest an den Kopf schnüren konnte. Die Maske war zugleich Schutz, Symbol und Schrecken für den Feind und war zu seiner Zeit im Krieg gegen die Argonier fester Bestandteil ihrer Ausrüstung gewesen. All die Jahre der Wanderschaft hatte er sie verabscheut und schließlich Volmyn verkauft, der ein Auge darauf geworfen hatte. Nun erkannte er, dass die Maske beinahe Bestandteil seiner Persönlichkeit geworden war und das sie fehlte, als er vorhin Volmyn in seiner Hütte niedergestreckt hatte.

„Ich hab sie,“ sagte er und drehte sich zu Zanodar um, der mitten im Raum stand. „Ich, äh, hoffe du hast auch alles was du brauchst..? Dann würde ich jetzt schleunigst von hier fort machen.“ Er verließ den Raum, nun war ihm wieder unbehaglich zu mute, doch niemand war in der Nähe, der ihnen unangenehme Fragen hätte stellen können. Nach kurzer Zeit erschien auch Zanodar und gemeinsamen kehrten sie an die Oberfläche zurück. „Ich,“ begann Iareth, die Maske noch immer in der Hand, „ich weiß nicht wie ich dir danken soll. Du hast mir sehr geholfen, Zanodar und das, obwohl wir uns kaum kennen. Wenn ich dir irgendwann, irgendwie behilflich sein kann, lass es mich wissen und, ach ja, kannst du den Maurern sagen, dass ich nicht mehr zum arbeiten komme?“ Entschuldigend sah er Zanodar an und hob die Maske, wie zur Erklärung in die Höhe.

***

Eine halb Stunde später bog Iareth in die Straße ein, in der er Cyrus Wohnort vermutete. Cyrus hatte vom Magierwohnhaus gesprochen, das Iareth nicht kannte, aber er meinte eine Idee zu haben wo es sein könnte. Zwar sollte er erst nach der Arbeit vorbeikommen, aber Iareth hoffte, dass Cyrus um diese Uhrzeit mit dem Arbeiten selbst noch gar nicht angefangen haben würde. Die Straße durch die er nun ging war mitten in der Oberstadt, eine kleinere Nebenstraße, die sehr sauber und ordentlich wirkte, allerdings nicht so prunkvoll wie die Hauptstraßen. Mehrere schwere Holztüren reihten sich an einander und beherbergten die verschiedensten Geschäfte und Wohnungen. Gerade ging er an einem Kräuterkundler vorbei, da erblickte er die Tür zum Magierwohnhaus. Sie war mit Eisen beschlagen und trug goldene Verzierungen und auf einem Schild über der Tür stand „Haus der Magier“. Iareth klopfte. Eine Weile passierte nichts, dann hörte er ein Kratzen und die Tür ging einen Spalt auf. Eine Hakennase und zwei dunkle Augen waren zu sehen.

„Ja?“

„Guten Morgen,“ sagte Iareth, nun etwas unsicher, „ich möchte zu Cyrus.“

„So, so und wer seid ihr?“ Die dunklen Augen glitten über Iareths geflickte Robe und das Schwert auf seinem Rücken.

„Iareth Helan, es geht um ein Geschäft, die Expedition die Cyrus plant.“

Nun zeigten sich unter der Hakennase auch noch gelbe Zähne, inklusive Zahnlücke. Die Stimme gackerte.

„So, so…“ sagte sie erneut.

Ohne ein weiteres Wort wurde die Tür wieder geschlossen.

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