Kreuzwege 50

„Ich glaube, das ist unser Mann“, Cyrus klatschte sich auf den Schenkel, „Was sagst du Sagit? Da spricht Erfahrung, oder?“

Sagit saß kerzengerade auf dem Sofa. Er hatte ein Bein untergeschlagen, das andere hing über den Rand. Seine Hände ruhten auf den Knien, in den Ellenbögen entspannt angewinkelt. Er nickte: „Ich weiß, ein Mann von taktischer Erfahrung. Aber“, Sagit beugte sich etwas nach vorn und reckte einen Zeigefinger in die Höhe: „auf einer Prämisse möchte ich ausdrücklichst beharren. Unser Unternehmen muss gewaltfrei bleiben. Außer in Situationen der angemessenen Notwehr natürlich. Umfängliche Sittlichkeit ist kein Muss, aber ihr Gerüst dürfen wir nicht einreißen.“

„Mit anderen Worten: Nix Blutvergießen oder ausschalten, aber dafür klauen“, Cyrus lachte, „Ich meine, dass man schon ein paar Risiken eingehen kann, solange der Zweck erfüllt wird. Aber, andererseits, ja, also ich bin kein Mörder. Bei den Neun. Natürlich könnte man einfach die Kämpfergilde beauftragen und ihnen die Probleme mit der Sittlichkeit überlassen. Das ist aber zu teuer und zieht viel zu viel unnötige Aufmerksamkeit auf sich, die wir nicht gebrauchen können.“

„Das es Grabräuber sind, ist eine Arbeitsthese, möchte ich hinzufügen“, fuhr Sagit fort, „In der ebenerdigen Haupthalle entdeckten wir ihr Lager. Eine Feuerstelle und drei Matratzen. Ein großer Pavillon. Sie haben begonnen den Haupteingang zu verstärken. Merkwürdig war die improvisierte Kultstätte vor dem raumbeherrschenden Sarkophag.“

„Scourg Hügelgrab war nämlich die Wirkstätte eines großen Totenbeschwörers, musst du wissen“, übernahm Cyrus das Wort, „Er nannte sich Mannimarco. Ein abscheulicher Usurpator und Unhold. Jedenfalls Scourg ist dafür bekannt immer wieder mal selbsternannte Mannimarcos anzuziehen. Am lezten Tag unserer Erkundung wurden wir von den Grabräubern überrascht. Es waren tatsächlich drei. Sie luden einen ganzen Wagen voll Leichen in die Halle ab. Die hatten einen Vierspänner draußen, stell dir das vor. Der eine schien die Rolle des Anführers übernommen zu haben. Der wirkte sehr fanatisch auf mich. Wir konnten uns gerade so davonstehlen. Aber dummerweise habe ich dabei den Siegelstein verloren. Ich könnte mich totärgern.“

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