Kreuzwege 54

Langsam kam Bewegung in die Arena. Ochsen zogen Gitter über den Sand, einachsige Streitwagen fuhren ein, Kommandos wurden gebrüllt. Die Besitzer der Rennställe standen in der Mitte mit ihren Gehilfen und Fahrern. Arenadiener besserten Stellen im Boden aus, oder stellten Hindernisse auf. Die Sonne stand hoch im Himmel und brannte hernieder, aber die kühle Luft machte es erträglich. Im Gegenteil man musste aufpassen nicht unbemerkt einen Sonnenbrand zu bekommen, so täuschte die frische Brise.

In den Zuschauerrängen tat sich während der Pferdeschauen nur wenig. Die Schau war nichts anderes, als ein öffentliches Training. Hier kamen Aficionados und vielleicht einige betuchte Müßiggänger her. Erstere um sich hier Neuigkeiten auszutauschen und natürlich die Rennpferde zu begutachten. Schließlich basierten ihre Wettsysteme auf Kenntnissen über dem gesundheitlichen und sportlichen Zustand der teilnehmenden Pferde. Auch die Wagenlenker waren wichtig. Ihre Künste waren zwar recht gleichbleibend, aber es gab viele Umstände, die ihre Tagesform beeinflussen konnten. Vielleicht hatten sie Streit mit den Besitzern, oder waren unzufrieden über die Bezahlung, oder suhlten sich in ihrem Erfolg, oder waren der Völlerei verfallen. Es gab immer etwas zu beobachten oder aufzuschnappen. Alles musste im entscheidenden Augenblick des Wetteinsatzes beim regulären Rennen zusammenkommen.

Martha erschien mit einer Gruppe Männer in blauen Umhängen. Es waren Mitglieder der Blauen Reiter, einer Loge von Kennern, die nicht einzeln, sondern in der Gemeinschaft Wetteinsätze machte. Sie traten diskutierend an die Brüstung des Sandranges. Das war die erste Reihe hinter der Mauer, die den Arenasand von den Zuschauerrängen trennte. Hier war man dem Geschehen am nächsten und konnte die Pferde und die Wagenlenker am besten Mustern. Ein Diener erschien und stellte Getränke und Gebäck zum Knabbern auf. Martha selber, trug ein weißes Hemd, das sich aus enganliegenden grünen Reiterhosen aufbauschte. Bis zum Knie steckten ihre Beine in braunen Schaftstiefeln. Ihr Kopf schmückte ein dreieckiger Phantasiehut mit einer weißen Feder. Sie erfand sie höchstpersönlich und ließ sie von einem befreundeten Hutmacher herstellen. Ihre Kreationen waren angesagt in der Stadt. Martha war recht ausgelassen an diesem Tag. Sie lachte oft, redete in alle Richtungen und zeigte abwechselnd auf die Pferde in der Arena, als hielte sie einen Vortrag.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.