Kreuzwege 56

Die Tür war ins Schloss gefallen. Gut, das galt nur bildlich, denn der Durchgang zum Hof der Maurergilde stand nach wie vor weit offen. Man brauchte nur hineingehen und … Nein. Das brachte nichts. Als Ratsherr oder Schwarzmagier – allein bei dem Gedanken gruselte ihm – hätte er verlangen können, den Gildenmeister persönlich zu sprechen. Als Fremdling und noch dazu Khajiit war ihm das verwehrt.

Weitere Optionen? … Hm … Er könnte versuchen, auf einem der Märkte oder bei den Ställen einen Tagelöhnerjob zu ergattern. Das war ehrliche

Arbeit. Allerdings auch schwere, sehr schlecht bezahlte Arbeit.

Oder … er könnte versuchen, Leute mit viel Gold und zu wenig Aufmerksamkeit zu treffen. Auch das war riskant, schon allein wegen der vielen Wachen, und ein Erfolg war niemals sicher.

Oder er könnte sich erst einmal nach einem Hehler umschauen, um die erbeuteten Parfümfläschchen zu Gold zu machen. Vielleicht wäre das die beste Idee.

Nun war es ja so, dass man Hehler nicht einfach auf dem Marktplatz antraf. Man musste sie schon kennen. Gut kennen. Denn die meisten Hehler arbeiteten für die jeweilige örtliche Diebesgilde, hatten dort ihren Stand und waren der Gilde gegenüber loyal. Mehr oder weniger. Es reichte also nicht einen Hehler zu finden, es musste auch einer sein, der kleinen Nebengschäften mit Auswärtigen nicht abgeneigt war. Das war zur Zeit Zanodars Hauptproblem.

Nachdem er bis ans andere Ende der Unterstadt gelaufen war, tauchte er ins Halbdunkel des Kanaleingangs ein. Wieder einmal. Er sah sich um. Die Zeit schien stehengeblieben zu sein, seit er vor vielen Jahren von der Gilde aufgenommen worden war und hier sein Handwerk erlernt hatte. Ob Ra’Shira sie immer noch leitete? Ob man sich an ihn, Zanodar, erinnerte? Lieber nicht, denn als er damals die Stadt in Richtung Westen verließ, hatte es Ärger gegeben. Ein zu großer Teil des letzten Raubzuges war mit ihm verschwunden, viel mehr als ihm als kleinem Dieb zugestanden hätte. Doch er hatte das Gold gebraucht für … nun, das interessierte hier vermutlich niemanden.

„Na wen haben wir denn da?“ schnurrte es aus dem Dunkel einer Nische.

Zanodar bleib wie angewurzelt stehen. Er schluckte krampfhaft.

„Ist jener gekommen, um Ra’Shira den vergessenen Tribut zurückzubringen, ja? Das freut Ra’Shira. Nun denn, jener hat sicher auch gleich die Zinsen mitgebracht, ja?“

Zanodar kam nicht dazu zu antworten. Was hätte er auch sagen sollen. Das er das Gold nicht hatte? Und irgendwelche Zinsen schon gar nicht? Er hätte nie hierher zurückkehren sollen, doch nun war es zu spät. Starke Hände packten ihn aus der Dunkelheit und zogen ihn in den nächsten Raum, wo ein Großteil der Gilde versammelt war.

Es sah nicht gut aus.

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