Kreuzwege 58

Ihr echsenhaftes Lächeln, das erstaunlich fröhlich wirkte, zog über ihr Gesicht. Sie entschuldigte sich bei den Herren Blaureitern, dass sie sie kurz verlassen musste. Dann ging sie leichtfüßig zum Tisch und füllte zwei Becher mit kühlem Bier von der leichten Sorte. Damit stieg sie die paar Stufen zu Iareth hinauf. Die weiße Feder an ihrem Hut wippte verwegen. Sie stellte sich neben ihn, so dass sie in die Arena schauen konnte, hob ein Bein auf die Sitzbank und stützte sich mit einem Arm lässig darauf ab.

„Hier“, sie reichte ihm einen Becher, Perlen kondensierenden Wassers unterstrichen die Frische des Inhaltes, „Du siehst sehr durstig aus, Iareth.“

Iareth blickte der Argonierin entgegen, die freundlich lächelnd und mit zwei Bechern zu ihm empor gestiegen kam. Erneut fragte er sich, ob sein Urteil über sie nicht vorschnell, seine Abneigung unbegründet sein könnte.

„Danke sehr,“ er nahm den Becher entgegen und trank, er war tatsächlich sehr durstig.

„Cyrus hat mir gesagt wo ich dich finde.“ Er machte ein Pause und sah zu ihr herüber, sie schaute noch immer in die Arena und hatte es offenbar nicht eilig. „Wir, ähm, arbeiten jetzt zusammen.“ Sie drehte den Kopf und hob die Augenbrauen. „Wegen seiner Expedition oder… Bergungsaktion,“ fügte er erklärend hinzu und nickte mit dem Kopf in Richtung der Seile, die er über der Schulter trug. „So?“ fragte sie und lächelte. „Offenbar brauch er jemanden fürs Grobe.“ Er lächelte seinerseits. „Na ja, wie dem auch sei, er sagte ich solle dich um Hilfe bitten, er muss wissen ob in letzter Zeit Leichen in der Stadt gestohlen wurden oder ähnliches, es geht um die Bande die in seiner Ausgrabungsstätte unterwegs ist, sie haben wohl irgendwas mit Totenbeschwörern zu tun.“ Er zuckte mit den Achseln. „Offenbar meinte er, du könntest etwas darüber wissen.“

„Sehe ich so aus, als wäre ich von den Wachleuten?“, Martha lachte mit gutturaler Stimme. Sie überlegte eine Weile, dann fuhr sie nachdenklich fort: „Die Toten aus der Oberstadt kommen in die Gruften. Die aus der Unterstadt werden verscharrt oder verbrannt, oder in den Fluss geworfen. Je nachdem wie viele es sind. Im Sommer sterben die Leute nicht so gerne. Es gab eine Mure unweit in einem Bergdorf. Es heißt, es gab viele Opfer.“

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