Schatzjäger 34

Die Frage, wovor er denn wirklich davongelaufen war, hatte Zanodar völlig überrascht. Kam sie doch gleich nach dem Wagenrennenmonolog,

einem Thema, mit dem er kaum etwas anfangen konnte.

„Na vor dem Skorpion“, erwiderte er sofort. „Das sagte dieser doch.“

Cyrus brauchte nicht darauf zu antworten. Er wartete nur, und das Schweigen zeigte Zanodar mehr als genug, dass er weitere Erklärungen erwartete. Zum Beispiel eine dafür, warum der Khajiit ausgerechnet vor der Stadt über Skorpione stolperte, wo er doch nach Iareths Aussage im Auftrag der Maurergilde an Fassaden herumklettern sollte.

Er atmete tief aus. Da kam er wohl nicht drum herum.

„Ja“, begann er, „dieser ist wirklich vor einem Skorpion davongelaufen. Vor einem riesengroßen! Aaaaber …“ Er kratzte sich hinter dem rechten Ohr. Eine Geste, die er an sich selbst hasste, weil sie so deutlich seine Verlegenheit offenbarte. „Aber es könnte sein, dass es in Elinhir ein paar Leute gibt, die Zanodar nicht …“

Weiter kam er nicht. Am Eingang des Hügelgrabes tat sich etwas:

Eine Gestalt in schwarzer Robe trat ins Licht. Sie hielt kurz inne, um sich die Kapuze tiefer über die Augen zu ziehen, da ihr die Sonne direkt ins Gesicht schien. Dann lief sie langsam weiter, auf einige Stufen zu, die hinunter zum Leiterwagen führten. Dabei sang sie halblaut vor sich hin. Zanodar spitzte die Ohren. Sein Gesicht nahm einen ungläubigen Ausdruck an.

„Alle meine Zombies

bringen dich gleich um

bringen dich gleich um

wenn du dann ganz tot bist

mache ich dich … dumm?

… äh?! Nein, so geht das nicht, so geht das nicht! Das kannst du besser, ja. Viel besser.“

„Ist der von Sheggorath geküsst?“, dachte Zanodar bei sich. Dann sah er die beiden Zombies, die ihrem Meister auf dem Fuß folgten. Schwankend liefen sie hinter ihm her. Der Khajiit piekste Cyrus an, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Doch natürlich hatte der sie längst selbst entdeckt.

Die kleine Gruppe näherte sich der ersten Stufe. Sie liefen nicht gleichmäßig schnell, da der Kapuzenträger immer wieder stoppte, um an seinem Reim zu basteln. Dadurch kam was kommen musste. Er schritt die Stufen hinab, doch die Zombies hinter ihm packten das nicht so ganz. Der erste stürzte, riss beim Herumfuchteln den andern mit und beide prallten auf den Nekromanten, den sie unter sich begruben. Dieser rappelte sich sofort laut zeternd wieder auf. Das hätte er aber lieber nicht tun sollen, denn so schien jeder der Zombies zu denken, der jeweils andere wollte den Meister angreifen. Der erste knurrte, der zweite knurrte zurück, und gleich darauf fielen sie übereinander her, dass die Fetzen nur so flogen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Um sie herum hüpfte und tobte der Beschwörer. Er jagte grünliche Blitze in sie hinein, um sie wieder seinem Willen zu unterwerfen, doch beide taten ja nichts anderes als für ihren Meister zu kämpfen. Dazu waren sie wiedererweckt worden. Die Zauber verpufften wirkungslos. Schließlich lagen beide still und stumm auf den Stufen, und ein lautstark vor sich hin zeternder Beschwörer zockelte zum Eingang zurück, um vermutlich neue Helfer zu holen.

Zanodar starrte Cyrus nur fassungslos an und hoffte auf eine Erklärung.

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