Schatzjäger 39

Cyrus war sich nicht sicher. Es war wirklich duster in der Halle, von der Grube ganz zu schweigen. In seiner Erinnerung war nichts dergleichen. Als er mit Sagit hier gewesen war, da war es nicht gerade taghell gewesen, aber man hatte deutlich alles erkennen können. Vielleicht brannten mehr Fackeln an den Wänden, überlegte er. Dann sah er hinauf und erkannte den Unterschied. Eine gewaltiges Tuch, wahrscheinlich Segeltuch bedeckte ein klaffendes Loch im Dach. Die Plane war von außen aufgelegt und beulte sich in das Innere der Halle durch. Waren die Totenbeschwörer etwa doch mehr als drei, fragte er sich. Denn das war schon ein gehöriger Aufwand alles hochzuschaffen und auszubreiten. Er bedeutete Zanodar sich hinzukauern, damit er auf seine Schultern steigen konnte.

Vorsichtig schaute er über den Rand der Grube in die Halle. Vor ihm lag eine umgestürzte Säule und versperrte den Blick in die Halle hinein. Nur die gegenüber liegende Wand wurde teilweise von einem grellen Licht angestrahlt. Weiß war es, etwas fahl, gespenstig. Das konnte nur magisches Licht aus Ayleidenkristallen sein. Außerdem sah er von hier den auf einer Empore stehenden Sarkophag. Bedeckt mit dunklen Tüchern und mit dutzenden flackernden Kerzen umstellt. Ein teurer Kult bei all dem ewigen Kerzenlicht. Cyrus drückte sich von Zanodars Schultern ab, der ein leichtes Ächzen hören lies, und schwang sich über den Grubenrand. Da war es an Cyrus schwer zu atmen. Dann reichte er dem Khajiit die Hand und pfiff leise zum Zeichen das er hochklettern sollte. Sie schmiegten sich an die Säule und lugten über sie hinweg.

Es war ein grausiger Anblick. Vor ihnen etwas seitlich türmte sich ein stacheliger Haufen. Wenn man genau hinsah, dann erkannte man, dass es Arme und Beine von Toten waren. Sie waren einfach übereinander geworfen worden und ihre Gliedmaßen hatten sich in alle Richtungen gestreckt je nach dem wie die Gelenke halt ausgerichtet waren. Ihre Köpfe waren noch schrecklicher verdreht und aus der natürlichen Haltung weggedrückt. Ihre Gesichter waren noch abscheulicher. Sie waren Fratzen, wie sie nur der Anblick eines Dremora erzeugen konnte. Die Leiber waren teilweise nackt, auch in Verwesung begriffen, verschorft von geronnenem Blut. Cyrus konnte sich gar nicht losreißen, so entsetzt war er. Er atmete durch und zwang sich woanders hinzuschauen. Weiter hinten bei dem Ayleidenlicht erkannte er das was man ein Lager nennen konnte. Ein Pavillion war aufgebaut. Eine Feuerstelle. Vielmehr war nicht zu sehen. Säulen und Steinbrocken verstellten den Blick. Cyrus krabbelte auf allen Vieren, um gedeckt zu bleiben, zum linken Ende der Säule. Von hier aus konnte er besser den Altar erkennen. Er zuckte zurück, als er eine Gestallt da im Schatten der Kerzen hocken sah. Das musste der zurückgelassene Totenbeschwörer sein. Er wiegte sich vor und zurück und war ganz vertieft in seine Gedanken. Vorsichtig wagte Cyrus noch einmal hervor zu schauen. Diesmal überkam ihn ein Augenblick der Freude. Er griff nach Zanodars Schulter und drückte ihn etwas nach unten, um ihm deutlich zu machen ganz still zu sein. Dann neigte er seinen Kopf zu ihm und begann zu flüstern:

„Der Siegelstein liegt auf dem Altar. Er ist tatsächlich hier. Was für ein Glück. Das Ding brauchen wir um die Grabkammer zu öffnen. Ich weiß nicht was wir machen sollen. Jetzt ist eine günstige Gelegenheit ihn zurück zu bekommen. Aber dann machen wir sie misstrauisch. Falls Iareth und Sagit Pech haben, dann können wir den geheimen Ausgang nicht nutzen und müssen uns hier durchschleichen. Dazu brauchen wir Totenbeschwörer, die ruhig in ihrer Ecke hocken. Lass uns weiter die Lage erkunden und wie man unbemerkt zum Schacht kommt. Der muss da hinter dem Sarkophag sein, bei den Treppen in die unteren Totenkammern. Überlege dir dabei wie du am besten an den Siegelstein herankommst, wenn es so weit ist.“

***

Sagit zitterte am ganzen Körper. Seine Sinne waren strapaziert bis auf das Äußerste. Er kam sich vor wie eine Erbse die in einer Dose durchgeschüttelt worden war, zusammen mit allen Absonderlichkeiten und Unrat, den man nur auftreiben konnte. Mit aller Macht versuchte er sich zu sammeln und sich zu fokussieren. Leider konnte er aufgrund der schlechten Luft nicht einmal durchatmen, was es nicht gerade leichter machte. Er zwang sich, sich an konkrete Aufgaben zu halten. Zögerlich trat er vor und kniete neben dem niedergestreckten Oger. Mit seiner Hand fühlte er am Hals des Kolosses. Die dicke Haut war hart wie Echsenleder. Hier aus der Nähe wirkte der Körper nicht nur einfach massig, sondern unnatürlich klobig. Kaum vorstellbar, dass diese zentnerweisen Knochen, Muskeln und Haut eben noch so agil herumgesprungen waren. In diesem Zustand war alles schlaff, leblos und schwer. Einfach nur unbeweglich. Aus den offenen Wunden dampfte noch das Blut. Es sickerte und tropfte zu Boden.

„Das Tier ist tot, Iareth“, stellte Sagit fest und erhob sich, „Deine, ich darf doch persönlich werden, deine Kampfkünste sind bewunderungswürdig. Mich hatte eine unbändige Angst ergriffen, ich gebe es zu, aber neben dir wusste ich, dass wir das überleben werden. Sie sind ein tapferer Mann und ich bin froh sie bei uns zu wissen, Herr Iareth. Nun…, ich schlage vor wir setzen unsere Erkundung fort. Sehen sie, hier, ich habe sogar an Licht gedacht.“

Sagit entzündete eine Fackel. Sie umrundeten den Toten und stießen tiefer in die Höhle vor. Der Oger hatte in völliger Verkommenheit gehaust. Die paar traurigen Sachen die er besessen hatte waren besudelt und unbrauchbar. Genauso wie das, was wohl sein Futter war. Knochen, Blätter und fauliges Fleisch. Nur ein Beutel mit roten Beeren stand ordentlich auf einem Stein. Zwei Ogerfinger passten hinein und konnten sich eine Beere angeln. Es musst etwas Besonderes sein.

Sie stießen auf einen schmalen Gang, grob aus dem Gestein geschlagen. Doch nach zehn Schritten war Schluss. Die gewölbte Decke war eingestürzt, vielleicht auch der gesamte Gang. Es war kein weiterkommen.

„Totes Ende“, erklärte Sagit und sie kehrten um.

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