Schatzjäger 56

Iareth trat einen Schritt vor und weiter in den Lichtkegel hinein, den der Fremde beschworen hatte. Seine Miene war unergründlich, er starrte in die Kaputze des Fremden und seine roten Augen glühten im Wiederschein des Feuers. „Grüße,“ sagte er mit ruhiger Stimme. „Mein Name ist Iareth Helan und das hier ist Sagit. Wir haben allerdings etwas mit euch zu besprechen, aber ich denke, wir sollten es vielleicht nicht hier draußen tun. Wie ihr seht war der nächtliche Wald nicht unbedingt freundlich mit uns.“ Er machte eine Geste zu ihren verdreckten Kleidern und den Blättern und Dornen die sich hie und da in ihre Kleider gekrallt hatten. „Es ist kalt und es wird wohl noch dauern bis die Sonne uns davon erlöst.“ Bei diesen Worten zeigte er seine offenen Handflächen in einer freundlichen Geste und lächelte mild. Seine Körpersprache war sehr Ruhig, sein Ton nicht unfreundlich, innerlich jedoch war er angespannt bis auf das Äußerste. Er ahnte, dass die Freundlichkeit seines Gegenübers nur Fassade war und wollte sicher stellen, dass er im Falle eines Falles mit einem Satz bei ihm sein konnte.

***

Eclair grunzte verhalten. Mit immer noch geschlossenen Augen tastete sie unter ihrer Bettstatt herum, zog den zerbrochenen Knochen unter ihrer Hüfte hervor und warf ihn angeekelt weg. „Pieks jemand anderen“, murmelte sie und gähnte. Ach, wie schön wäre es, jetzt einfach wieder einschlafen zu können. Aber bei dem Geschnarche …?

Sie drehte sich auf die andere Seite.

Wenn das hier alles vorbei ist, wenn ich reich und mächtig bin, dann kaufe ich mir … ha! … dann nehme ich mir ein Haus in Anvil. Oder nein, gleich das Schloss. Ach jaaaa, ein Zimmer im Turm mit Blick auf die Sommersendinseln. Und jeden Tag gehe ich zum Hafen und schaue aufs Meer bis er kommt und …

Sie seufzte glücklich.

Ja, eines Tages würde ein mutiger Hochelf um ihre Hand anhalten. Ein Pirat vielleicht oder ein Offizier oder …

Wirklich! Was kaum jemand wusste: Auch Eclair trug einen guten Schluck Hochelfenblut in ihren Adern. Ihre Großmutter hatte zwar immer von einem Unfall gesprochen, doch wenn die kleine Eclair dabei ihren verklärten Blick gesehen hatte und wie sie ihn den „feschen Offizier“ nannte … Ja, auch Eclair wünschte sich einen feschen Offizier und nicht so eine Niete im Bett wie Rose, der ohne sein Elixierfläschchen kaum zu gebrauchen war.

Ihr Lächeln erstarb. Wieder drehte sie sich herum, rammte dem schnarchenden Kerl neben sich den Ellbogen in die Seite und schlug die Augen auf.

Ihr Blick ging zur Decke.

Bewegte sich dort etwas?

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