Schatzjäger 59

Kanalisation von Elinhir

Sie waren zu dritt in dem kleinen Verschlag, der Ra’Shira als Büro diente. Der Anführer der Diebesgilde hatte es sich hinter seinem breiten, wie immer unaufgeräumten Schreibtisch bequem gemacht. Ein paar völlig eingestaubte Antiquitäten standen standen auf der einen Seite. Manche dienten nur zum Beschweren von Briefen und Listen, die dem Tisch ein wichtigeres Aussehen verschaffen sollten.

Auf der anderen Seite der Platte saß Nimoni und ließ die Beine baumeln. Ebenso wie ihr Boss blickte sie den hageren Rothwardonen an, der soeben von seiner Mission zurückgekehrt war.

„Was meinst du mit: „Vielleicht außerhalb der Stadt“, Hassan? Deine Auskünfte waren schon mal präziser.“

Der Angesprochene neigte kurz vor Nimoni den Kopf. „Das ist mir bewusst, Herrin“, sagte er, worauf ihm Ra’Shira ins Wort fiel: „Und die beiden … wie hießen sie noch gleich? … egal … sind tot?“

„Ja Boss. Ich fand sie neben dem Kadaver eines Riesenskorpions. Von Rawlsej keine Spur.“

„Hm … erzähl weiter! Er ist also noch irgendwo da draußen.“

Hassan nickte. „Ja. Ein Wagen kam in der Nähe vorbei. Schwer beladen. Und er hat dort kurz gehalten, wie die Hufabdrücke gezeigt haben. Dann fuhr er weiter, wurde aber in den nächsten Siedlungen nicht gesehen. Er kann also nur noch bei diesem alten Grab sein.“

„Und das hast du nicht untersucht?“

„N..nein, Boss. Diese Gruft ist tabu. Das wisst Ihr doch.“

„Blödsinniger Aberglaube!“ Ra’Shira schnaufte und wandte sich Nimoni zu: „Was haltet Ihr davon?“

Die Bosmer hob die Schultern. „Gut möglich. In irgendeinem Loch muss er sich ja verkriechen. Warum nicht in Scourg? Lassen wir ihn eine Weile dort. Er kommt schon wieder zurück.“

Ra’Shiras Augenbrauen hoben sich. „Ihr wollt ihn dort nicht rausholen?“

„Nein!“, erwiderte sie fest. „Das Grab ist tabu, wie Hassan schon sagte. Wir haben dort nichts verloren:“

***

Der Gildenleiter konnte sich gerade so lange beherrschen, bis er Hassan weggeschickt hatte und dieser außer Hörweite war. Dann herrschte er Nimoni an: „Seid ihr jetzt alle übergeschnappt? Was sollte das? Mit Hassans Geisterglauben kann ich leben, aber dass Ihr auch wieder einen Eurer religiösen Anfälle habt …“

„Mäßigt Euch, Gildenmeister!“ fauchte sie zurück.

„Mäßigen? Wozu?“ Er spuckte aus. „Geister, Göttliche, Nocturnal, … Sie halten uns alle nur auf. Ohne den Glauben an die ganze Brut sind wir besser dran. Ins Reich des Vergessens mit ihnen!“

„Ra’Shira! …“

„Was ist!? Gefällt Euch die Wahrheit nicht?“ Ehe Nimoni reagieren konnte, war er über den Tisch gesprungen und hatte ihr die Krallen an die Kehle gelegt. „Oder glaubt Ihr, dass Euch Eure daedrische Hure hierbei helfen kann?“

Kurz blitzte es in Nimonis Augen bösartig auf. Doch genauso schnell hatte sie sich wieder im Griff. „Nein Boss, entschuldigt“, flüsterte sie und Ra’Shiras Griff lockerte sich. „Ihr seid der Boss und ich werde Euch dienen solange Ihr lebt.“

Ra’Shira stutzte kurz, grinste dann aber zufrieden. „So ist es gut. Und jetzt wieder an die Arbeit!“

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