Schatzjäger 61

Iareth wurde nicht schlau aus seinem Gegenüber, aber darauf kam es nich an, wichtig war, dass er sie hinein gebeten hatte und dort wollten sie hin. Also neigte er dankbar den Kopf und folgte dem Fremden die Treppe hinauf, in das schwarze Maul, das der Eingang von Scourg war und welches er, entgegen dem Glauben ihres Gastgebers, noch nie betreten hatte.

Drinnen erwartete sie ein großes Feuer, dass in der Mitte der Halle brannte und tapfer gegen die morgendliche Kälte ankämpfte. Iareth zwang sich nicht suchend nach Zanodar Ausschau zu halten, sondern ließ den Blick scheinbar lässig durch die Halle wandern. Sie war sehr groß, man konnte kaum in die Ecken sehen so dunkel war es und was man sah war wenig vertrauenserweckend. Was jedoch unweigerlich den Blick anzog, war der Berg Leichen, der unweit des Feuerscheins aufgestapelt lag und der als Monstrosität aus Gliedmaßen und blutigen Haarschöpfen den ganzen Raum in einen oblivionartigen Alptraum verwandelte. Seine banale Erscheinung neben dem großen Holztisch, auf dem noch Abendbrotreste standen, den Bettlagern am Feuer und dem Altar am anderen Ende des Raumes zeigte mehr als das sonderbare Verhalten ihres Gastgebers, dass die Menschen die hier lebten tief in den Abgrund der geistigen Umnachtung geschaut hatten. Iareth konnte seinen Ekel kaum verbergen und wandte den Blick mühevoll ab, um die zwei Personen zu mustern, die am Feuer standen und ihnen misstrauisch entgegen blickten. Es war eine hochgewachsene Frau mit großen Augen und arrogantem Blick, sie hätte schön sein können, hätte ihr Gesicht nicht von unverhohlener Aggression und Abscheu gesprochen. Neben ihr stand ein kleinerer Mann, vermutlich ein Nord und kaum älter als zwanzig. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen und wirkte kränklich, seine Lippen zuckten und sein Blick flackerte auf eine Weise, die Iareth wünschen ließ, er hätte seinen Säbel schon in der Hand. Neben sich fühlte Iareth die Nervosität, die in Sagit hochstieg, er selbst achtete darauf, dass der unheimliche Kerl, der sie hereingebeten hatte nicht hinter ihnen stand und positionierte sich widerstrebend am Feuer, bei den anderen beiden Beschwörern. „Guten Abend,“ sagte er, in einem tapferen versuch etwas Zivilität einkehren zu lassen. Die beiden musterten ihn steinern. Der junge Nord schien erschrocken, sein Gesicht zeigte eindeutig Furcht, im nächsten Moment wechselte seine Miene, dass es einem Angst machen konnte. Sein Gesicht teilte sich zu einem strahlenden Lächeln, seine Körperhaltung veränderte sich und war plötzlich aufrecht. Er trat mit ausgestreckter Hand auf Iareth zu und sagte mit lauter Stimme: „Freut mich sehr, schön dass sie es geschafft haben, wir hatten ja schon das Vergnügen, nehme ich an?“ Iareth zuckte bei der plötzlichen Bewegung des Nord zurück und sah ihn erschrocken an, dieser lachte schallend. „Ahaha, nur nicht so schreckhaft, ihr werdet noch die Hunde nervös machen.“ Iareth konnte nicht anders und sah zu Sagit herüber, doch dessen Miene war unergründlich, dann blickte er zu dem Beschwörer der sie hereingebeten hatte.

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