Schatzjäger 84

„Wenn ich Jetzt sage, gibst du dem Pferd die Peitsche“, murmelte Cyrus in der Hoffnung Sagit würde es gerade noch hören. Dann richtete er sein Wort an den Mann auf der Straße. Cyrus sprach schnell, laut und deutlich. Nach der Ansage des Fremden, fühlte auch er deutlich, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht war es besser die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, sagte er sich, und sie sich nicht diktieren zu lassen. Aber es war auch gefährlich, dass wusste er.

„Ich weiß nicht wovon du sprichst. Was für eine Katze? Was für ein Freund? Jemanden abholen, um zu verhindern, dass er sich nicht verirrt? Warum ist die Zeit wertvoll? Was faselst du da? Offensichtlich hast du etwas geplant und ich nehme auch an, dass du nicht alleine bist. Keiner würde sich einfach so alleine auf die Straße stellen und Forderungen äußern…“ Cyrus steigerte sich in einen Redefluss. Er achtete nicht mehr auf die Worte, sondern versuchte nur den Rhythmus und die Tonlage beizubehalten. Ihm war klar, dass der Inhalt seiner Rede gleich abhanden kommen würde. Aber er wollte etwas Zeit gewinnen, um sich innerlich auf seinen magischen Puls zu fokussieren. Es kam nicht so recht in Gang. Doch letztendlich half ihm die altertümliche Formel, die ihm vor seinem inneren Ohr raunte.

„… wie viele Tage sind seit der letzten Asche vergangen?“, schleuderte er dem Mann zusammenhanglos entgegen. Dann stieß er Sagits Schulter an und rief das vereinbarte Wort. Um den Fremden auf der Straße hatte sich ein Wirbel gebildet, der den Sand, den Splitt und all das lose Blatt- und Zweigwerk aus seiner unmittelbaren Umgebung ansaugte und zu einer festen Hülle formte. Es pfiff und rauschte wie bei Unwetter im Winter durch die undichten Fenster. Zu mehr hatte Cyrus Improvisation nicht gereicht. Aber beeindruckend musste der Effekt für den Mann vor ihnen dennoch sein, dachte er sich , auch wenn es nicht lange dauern würde.

Auch Sagit musste etwas aus dem Stegreif tun. Ein Pferdegespann aus dem Stand in Schwung zu bringen, war nicht so einfach wie man es manchmal gerne hätte. Zumal sie mit sieben Leuten überladen waren. Außerdem hatte er keinen blassen Schimmer, was und in welcher Reihenfolge er eigentlich tun musste. Er klatschte dem Pferd die Peitsche direkt auf den Rücken. Es knallte nicht einmal. Es sah eher so aus als würde ledernes Band angeweht werden. Der Gaul bekam dennoch einen fürchterlichen Schreck, aber das führte nur dazu, dass er sich wild aufbäumte und versuchte ein paar Schritte rückwärts zu machen. Das Zaumzeug hielt ihn fest und so rammte er die Hufen wieder zurück auf den Schotter der Straße.

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