Schatzjäger 88

„Grabbel mich bloß nicht an mit deinen schmutzigen Banditenfingern. Hier, hab‘ einen Dolch. Das war’s“, Cyrus warf dem Mann mit Schwert und Schild, der sie beide durchsuchen sollte, das Messer mit der langen Klinge vor die Füße. Der fegte es mit seinem Stiefel beiseite und zögerte. Dann wandte er sich an Sagit.

„Willst du mich mit deinem Schwert pieken und mit deinem Schild abklopfen“, protestierte Sagit, als der kampfbereite Mann ihn anblickte, „Außerdem sind deine Hände wirklich ganz schön schmutzig. Mit der Hygiene gehst du ganz nach dem Räuberklischee. Dabei schadest du nicht nur dir selber, sondern deinen Kollegen eventuell auch. Wusstest du, das Krankheiten durch Berührung verunreinigter Hände weitergereicht werden können? In dicht besiedelten Gebieten kann das zu einer enormen Kettenreaktion führen…“

„Was ist das, mein Guter, eine Ketten- was?“, unterbrach ihn Cyrus.

„Wie soll ich sagen? Kennst du das Turmspringer Spiel?“

„Du meinst das Brettspiel wo man über die Steine des Gegners springen muss?“

„Ja genau. Wenn du richtig gut bist, schaffst du es über das gesamte Feld zu springen und viele Steine abzuräumen. Stell die so eine Kettenreaktion vor. Nur das du hier zusätzlich noch über Nachbarbretter springen kannst.“

„Erstaunlich. Und wenn jeder Schmutzfink das Gleiche macht, dann müssen uns wir nicht wundern, wenn die ganze Stadt am Fieber leidet“, Cyrus hob empört seine Stimme.

„Mehr noch: Alle glauben es wäre eine Strafe der Götter und dabei müsste man sich nur mit Knochenmehl oder Sand und Wasser die Haut abreiben.“

„Du meinst das ist nichts weiter dabei? Kein höherer Wille? Kein Schicksal? Kein Dämon aus Oblivion?“

„Nein. Nur Krankheitskeime, Schmutz, Rotz und derbe Unwissenheit.“

„Da siehst du“, wandte sich Cyrus an den Banditen, „Sperr dein Lauscher auf und lerne! Es ist nie zu spät.“

„Wozu doch so ein mittäglicher Überfall nicht alles gut ist. Das Wissen kommt unvermittelt und überraschend aus dem Planwagen gehopst.“

„Genau. Hast du dir mal überlegt, dass deine abgelatschten Stiefel dir auf Dauer eine Fehlstellung im Hüftbereich bescheren wird? Wirst dich an meine Worte erinnern, wenn dir später das Kreuz weh tun wird.“

„Jetzt wird aber die Schnauze gehalten!“, kommandierte der Mann mit Schwert und Schild. Im Rücken von Cyrus und Sagit, dass sie es nicht sehen konnten, hörte man entfernte Kampfgeräusche. Dumpfe Schläge, Ächzen und knackende Zweige. Ihre Bewacher schauten sichtlich nervös in diese Richtung. Doch sie blieben bei ihrem Auftrag.

„Ich weiß das schmeckt dir nicht“, versuchte Sagit ihm ins Gewissen zu reden.

„Schau mal. Es ist ja nicht nur die körperliche Vernachlässigung. Es ist die ganze Lebenseinstellung. Weißt du? Auf der Straße leben, die ständige Gewaltausübung, immer wieder die Gerechtigkeit mit Füßen zu treten.“

„Hast du eine Freundin? Wie behandelst du…“

„Schluss jetzt!“, unterbrach sie gereizt die sandfarbene Khajiit in der zu großen Mönchskutte.

Die Beiden schauten sich sprachlos an, dann sagte Cyrus mit erhobenen Schultern und nach vorn geöffneten Handflächen: „Was‘ los? Ein wenig plaudern ist gut, aber wenn wir nach seiner Geliebten fragen, stößt es dir sauer auf? Von welcher Magieschule bist du eigentlich? Eher Zerstörung, oder sag bloß Wiederherstellung?“

Als ein markerschütternder Schrei die Luft zerriss, richteten alle ihre Aufmerksamkeit in die Richtung seines Ursprunges. Keine fünf bis sechs Wagenlängen entfernt kniete einer der Banditen am Boden und hielt seine besudelten Eingeweide in den Händen. Sein Schreien wechselte über in ein grauenhaftes Stöhnen. Das Leben auf diese Art zu umklammern war furchteinflößend.

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