Hausaufgaben 1

Die Sonne war herabgestiegen. Schließlich war sie versunken und hatte all das Licht mitgenommen. Wie immer. Beide Monde erhoben sich. Wanderten durch den Nachthimmel umringt von den Sternen. Blieben bis das Morgenlicht erwachte und verließen den Tag erst als die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hatte. Worauf sie wieder herabsank. Jetzt, nachdem es wieder Nacht geworden war, erreichten Cyrus und Sagit völlig erschöpft auf dem Wagen sitzend Elinhir. Sie hatten das Pferd von Otutweys Kräuterwagen bei sich eingespannt, nachdem sie notdürftig die Deichsel repariert hatten. Später, schon unterwegs, hatten sie ihr eigenes Pferd friedlich grasend am Wegesrand gefunden. Es hatte sich in den abgerissenen Riemen vom Zaumzeug verhaspelt und konnte nicht vor und nicht zurück. Doch auch mit zwei Pferden ging es nicht schneller voran. Zumal sie keine Möglichkeit gefunden hatten sie beide richtig einzuspannen und auch weil die Deichsel in ihrem provisorischem Zustand partout nicht halten wollte. Immer wieder musste sie befestigt werden. Am Stadttor übergaben sie die gefangenen Totenbeschwörer den Wachen, die sie zum Kerker brachten. Sie selber lenkten ihre müden Klepper zu den Ställen der Magier. Der Stallmeister schimpfte und fluchte. Er hatte alle Gründe dazu: die späte Stunde, die geschundenen Pferde, die Schäden und noch vieles mehr, was ihm in den Sinn kam. Cyrus ertrug es widerspruchslos und half so gut er konnte.

Dann, endlich, waren sie in der Wohnung. Sagit warf sich wie er war auf das Sofa und jammerte leise vor sich hin. Cyrus ging zum Herd, machte Feuer und setzte Wasser auf. Aus der Kammer holte er einen kleinen Sack mit Kräutern und rupfte ein paar Blätter zusammen, die er dann in eine Kanne legte. Aus einem Schrank fischte er eine bauchige Flasche hervor und goss einige fingerbreit der destillierten Flüssigkeit auf die duftenden Kräuter. Später würde er heißes Wasser hinzufügen und ein, wie er fand, heilendes Balsam herstellen, das sie ganz nötig brauchten, um sich von den Strapazen zu erholen. Zumindest um die Genesung einzuleiten, erläuterte er Sagit.

„Ich kann nicht aufhören mir Sorgen um Iareth zu machen“, sagte Cyrus nachdem er sich in den Sessel platziert hatte, „ganz zu schweigen von Zanodar.“

„Stell dir vor: Sie haben sechs, sieben, acht, ja acht Leute nach dem Khajiiten geschickt“, es war nicht ganz klar ob Sagit sich beschwerte oder ganz ungläubig war, „Ich habe vorher noch gesagt, zu dir, schick ihn weg, das ist unvorsichtig.“

„Ja hast du. Aber geholfen hat er doch. Er war ja nicht unnütz.“

„Das Potential für die Gefahr hatte aber mehr Wahrscheinlichkeit.“

„Ja?“, war sich Cyrus unsicher, dann begriff er, „ja, ja. Hast du auch wirklich alles nach Iareth abgesucht?“

„Alles Abzusuchen war nicht möglich, da das Raster von zwei suchenden Person nicht hätte in angemessener Zeit abgelaufen werden können. Aber die engere Umgebung habe ich mit Sorgfalt untersucht. Wie kann ich dich nur überzeugen?“  

Cyrus seufzte: „Gar nicht, wahrscheinlich. Wenn er verschwunden ist, muss etwas passiert sein. Er könnte einen Banditen verfolgt haben. Er könnte verletzt worden sein, musste fliehen. Oder schlimmer er ist irgendwo zusammengesunken, wo man ihn nicht findet. In den Bergen geht das schnell. Such da mal hinter jedem Stein. Da bricht man schnell zusammen vor Erschöpfung.“

„Das wäre das am schlimmsten anzunehmende Szenarium.“

„Das ist kein Theater.“

„Beschreibung der Abfolge möglicher Ereignisse.“

„Gewiss doch. Wir hätten da bleiben sollen und weitersuchen.“

„Cyrus! Wir haben abgewogen. Iareth ist ein erfahrener Kämpfer. Ihn noch länger zu suchen, hätte uns gefährdet und die Verluste der Unternehmung weiter vergrößert. Das durften wir nicht zulassen.“

„Ich hätte nicht auf die hören sollen.“

Cyrus lehnte sich zurück und trank den heißen Kräutertee. In Gedanken war er bei der Stelle des Überfalls und ging wieder und wieder die Ereignisse durch.

„Was wirst du jetzt machen?“, fragte Sagit nach einer Weile.

„Was werde ich machen“, Cyrus zuckte mit den Schultern, „Morgen noch reite ich mit einem Trupp Stadtwachen zurück und durchkämme die Gegend. Irgendetwas werden wir finden.“

Sie schwiegen eine Weile.

„Was meinst du, wer waren diese Leute?“

„Sahen mir ganz nach Dieben aus. Gut organisiert. Aus Elinhir. Der Anführer kannte mich. Sie wollten Zanodar. Zanodar ist ein Dieb“, unterbreitete Cyrus seine Logik.

„Der Khajiit muss ein großer Dieb sein. Das bedeutet große Probleme. Was wiederum bedeutet, dass wir ihn schnell vergessen sollten.“

 Cyrus hob seinen Blick und richtete ihn auf Sagit: „Nicht so schnell, ja? Immerhin bin ich im Stadtrat und ich kann es nicht zulassen, dass meine Bürger, und seien es auch nur arme Schlucker, Zugereiste oder Wanderarbeiter von einem Trupp Banditen entführt werden. Dann hätte ich auch die im Kopf kranken Totenbeschwörer einfach abmurksen können…“

„Ich verstehe“, unterbrach ihn Sagit, „Das geht natürlich nicht.“

„Lass uns zu Bett gehen. Morgen wird ein langer Tag.“

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