Hausaufgaben 4

Sie waren so schnell gegangen, dass Sagit schon fast schwitzte. Nur sein Gesicht war eisig kalt, die Wangen fast taub. Seine Haare waren nass und wenn ein Windzug durchfuhr, schmerzte ihm die Kopfhaut. Zeit sich eine Mütze zu besorgen, seufzte er. Sagit traute sich nicht mit der Hand über seinen Schopf zu fahren, lieber wollte er alles so lassen wie es war, aus Angst, dass es noch unangenehmer werden könnte, obwohl das nicht möglich war. Martha schwieg und führte ihn immer noch eingehakt die Gassen und Wege entlang. Sie hatte sich dem Wetter entsprechend gekleidet, bemerkte Sagit voll Neid und mit einen guten Schuss Frustration. Ein grauer dicker Schal wärmte ihren Hals und ein echter Ölhut, wie ihn Seefahrer bei stürmischen Wetter benutzten, schütze sie vor dem Regen. Er fragte sie, ob sie für Nässe empfindlich sei. Martha lachte und antwortete, dass sie fand damit besser auszusehen. Ganz einfach, und bezeichnete ihn zärtlich als einen dummen Jungen. Sagit grunzte. Ihre Schritte schallten von den eng beieinanderstehenden Hauswänden. Dann öffnete sich die schmale Gasse und sie kamen auf einen kleinen Platz mit einem großen Baum. Ganz ohne Laub zu dieser Jahreszeit, nackt, mit einem dicken Stamm von einem langen Leben. Um ihn herum war eine Bank gezimmert. Welche wiederum eingefasst war von einem runden festgetrampelten Boden mit buckligen Pflastersteinen am Rand. Martha zog ihn zur Bank und nötigte ihn sich mit ihr zu setzen. Sagit beschwerte sich umgehend. Er spürte die unangenehm kalte Feuchtigkeit auf der Sitzfläche durch seine Hosen dringen. Aber Martha beachtete ihn nicht, sondern schaute sich in alle Richtungen um. Nachdem sie sich von etwas, was nur ihr klar war, überzeugt hatte, holte sie ein Kästchen aus ihrer Manteltasche und steckte es von hinten in die Lücke zwischen den Brettern, die die Lehne der Bank bildeten. Es passte wie extra dafür gemacht hinein. Sogar farblich stimmte es überein, so dass es einem flüchtigen Blick nicht auffiel. Selbst wenn man genau hinsah, musste man schon wissen wonach man suchen sollte, so unscheinbar war es da angebracht. Sagit sprang sogleich auf, als Martha nur Anstalten machte sich zu erheben. Etwas aufgeregt tänzelte er um sie herum und wusste nicht was er zuerst fragen sollte. Martha ließ sich nicht beirren. Sie zog ihn mit sich zu einer engen Treppe, die an einem der angrenzenden Häuser hinab zum Keller führte. Dort war es dunkel und lugte man vorsichtig über den Rand konnte man gut die Bank um den Baum herum beobachten.

„Martha“, platzte es aus Sagit heraus. Doch sie legte ihm blitzschnell einen Finger über seine Lippen, um ihn am weitersprechen zu hindern. Unterm Baum war ein Mann erschienen. Im offenen Mantel und barhäuptig schritt er fast gemütlich dahin, als mache ihm das Wetter überhaupt nichts aus. Der Mann tat nicht verstohlen oder heimlich. Er ging direkt zur Stelle, wo das Kästchen sich befand, beugte sich über die Lehne und zog es heraus. Es verschwand in seiner Tasche. Als sei nichts geschehen setzte er seinen Weg fort, nur die Hände rieb er sich ab.

„Was war das Martha?“

„Ein stiller Bote“, flüsterte sie zurück.

„Der Mann?“

„Nein, die Bank. Ein stiller Bote bringt die Nachricht nicht, man holt sie bei ihm ab. Komm!“

Martha zog ihn wieder mit sich. Sie verfolgten den Mann der hinter einer Hausecke am Ende des Platzes verschwunden war.

„Aber er hat doch die Nachricht bekommen“, versuchte Sagit zu protestieren. „Ich muss wissen, ob er der Empfänger ist.“  

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