Hausaufgaben 12

Halvar war ein hervorragender Spurenleser, soviel wurde Iareth klar. Es machte dem Hünen offenbar wenig Probleme die Indizien und Anzeichen zu lesen, die beim Marsch der Diebe durchs Gelände entstanden waren. Der Weg führte sie allmählich wieder Bergab und verwandelte sich nach und nach zurück in spärlichen Wald, zwischen dessen Bäumen große, menschenfeindliche Dornenbüsche wuchsen, die sich andauernd in Iareths und Cyrus Kleidern verfingen. Allein Halvar schien keine Probleme zu haben sich durch die Büsche zu bewegen, was Iareth bei seiner Körpergröße mehr als sonderbar erschien. Hin und wieder hielt der Riese kurz inne, orientierte sich und hielt den Kopf ganz dicht über den Erdboden oder prüfte die Rinde eines Baumes oder die Äste von Sträuchern. Iareth ging es erstaunlich gut, auch wenn er offenbar nicht so aussah, denn Cyrus erkundigte sich öfter nach seinem Befinden. Iareth hatte den Verdacht das der waldkundige Halvar ihn mit Kräutern behandelt hatte, die seine Wundheilung beschleunigten. Er kannte den Verlauf von Wunden wie den seinen einigermaßen gut und wusste, dass er noch nicht wieder bei so stabilen Kräften sein sollte.

„Ja, stimmt,“ knüpfte Iareth an Cyrus Gedanken an, „was Zanodar angeht blicke ich auch nicht durch. Ich meine, es wundert mich gar nicht, dass er mit Dieben und Räubern zu tun hatte, nachdem ich gesehen habe wie er in Elinhir dieses Lager aufgebrochen hat, aber warum sie ihn verschleppen, mit soviel Aufwand…“ Er zuckte mit den Achseln, was angesichts seiner verletzten Schulter eine sehr unüberlegte Bewegung war. „Autsch. Na ja, so oder so sollten wir versuchen ihn zu befreien, ich meine, wir können ihn doch nicht einfach seinem Schicksal überlassen, was wird denn dieser Hassan mit ihm anstellen? Das mag ich mir gar nicht vorstellen.“ Sie schwiegen eine Weile, denn Iareth viel es immer noch ziemlich schwer zu sprechen und zu laufen ohne völlig ausser Atem zu geraten.

Schließlich brach der Wald abrupt auf und vor ihnen erstreckte sich eine Morastlandschaft. In der Ferne konnte man die Zinnen von Elinhir sehen. Halvar drehte sich zu ihnen um. „Die wollten wirklich nicht das ihnen jemand nachkommt,“ sagte er brummig, während er in seiner Gürteltasche wühlte. Er holte eine Handvoll frischer Kräuter hervor. „Hier,“ sagte er und reichte ihnen beiden etwas von den dicken, pelzigen Blättern. „Das ist Kampferkraut, hab vorhin ’n bisschen was gesammelt, dachte mir schon das wir hier vielleicht durch müssen. Hilft gegen das verflixte Geschmeiß.“ Er zerrdrückte die Blätter kräftig in seiner Hand und rieb sich ausgiebig die Arme den Hals und das Gesicht damit ein. Cyrus und Iareth sahen sich an und taten es ihm dann gleich. Das Kampferkraut verströmte einen scharfen aber angenehmen Geruch, der ein bisschen in den Augen brannte. „Behaltet noch ein bisschen für später und bleibt jetzt dicht hinter mir, hier in den Sümpfen kann man schnell mal fehltreten.“

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