Hausaufgaben 14

Der Weg durch den Sumpf war beschwerlich. Die Sonne sank langsam aber sicher dem Horizont entgegen, während die drei Wanderer, von denen eindeutig nur Halvar an solche Strapatzen gewöhnt war durch die öde Landschaft stapften. Links und rechts von ihnen sahen sie nichts als Wasserlöcher, Sumpfgras und Wolken aus Stechmücken, die das Kampferkraut nur bedingt im Zaum halten konnte. Dann und wann erhob sich ein verkrüppelter Baum wie ein Gespenst aus dem nassen Boden. Die meiste Zeit starrte Iareth zu Boden während er ging und marschierte stumpf Halvar hinterher. Manchmal erhob er den Blick und war erstaunt über den schönen Anblick der untergehenden Sonne, die sich in den unzähligen Tümpeln des Moores spiegelte. Es dauerte lange, bis sie die Stadtmauern von Elinhir erreichten, die direkt an den Sumpf grenzte. Als sie noch einen Steinwurf davon entfernt waren hielt Halvar plötzlich an.

„So,“ sagte er und drehte sich zu den beiden um. „Da wären wir,“ und er deutete auf ein großes, schwarzes Eisengitter, das in einer kreisförmigen Öffnung in der Stadtmauer hing. Offenbar ein Ausgang der Kanalisation. Cyrus und Iareth sahen auf. Das Gitter wirkte sehr solide, immerhin war es gegen eventuelle Belagerer der Stadt eingebaut worden, so dass diese nicht durch die Kanalisation eindringen konnten. Andererseits, dachte Iareth, würde es kaum eine Armee durch den Sumpf schaffen. Halvar sah in ihre entmutigten Gesichter und lachte. „Ich hoffe ihr erwartet nicht auch noch das ich euch die Tür auf mache.“ Sie gingen die letzten Schritte, bis sie direkt vor dem Gitter standen. Ein unerträglicher Geruch schlug ihnen aus der dunklen Öffnung entgegen. „Kein Wunder das die Ratten hier wohnen,“ kommentierte Halvar. Iareth sah sich das Gitter genau an. „Irgendwie müssen die Kerle ja auch hier rein gekommen sein. Hoffentlich hat es nicht jemand von innen geöffnet…“ „Na ja,“ sagte Halvar, „ich bin sicher ihr schafft das irgendwie, ich würde ja gerne mitkommen, aber ich glaube das ist nichts für mich. Wenn ihr da heil rauskommt, dann kommt mich in der Stadt besuchen, jetzt wo ich schonmal hier bin bleib ich bestimmt ein paar Tage da. Vermutlich findet ihr mich in der Wasweingasse, im Windhund. Falls ihr das Tor nicht aufkriegt geht einfach an der Stadmauer lang, bis zum nördlichen Tor, das ist nichtmehr allzuweit und einigermaßen sicher.“ Er klopfte ihnen auf die Schulter. „Waidmans Heil,“ rief er noch und lachte, dann machte er sich in die Richtung auf die er ihnen gewiesen hatte. „Vielen Dank, Halvar!“ Rief Iareth einigermaßen verwirrt, doch Halvar drehte sich nicht einmal um und machte nur eine wegwerfende Handbewegung.

Eine Weile sahen sie beide dem Riesen nach, der in der Entfernung immer kleiner wurde, dann wandten sie sich dem Gittertor zu. „Und jetzt?“ Fragte Iareth.

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