Hausaufgaben 23

Atemlos lies sich Cyrus gegen das Blech fallen und rutschte daran herab. Dabei schoppte sein Mantel und bildete eine Glocke über seiner Brust. Er schloss seine Augen, aber am liebsten hätte er sich die Ohren zu gehalten. Der Klang des berstenden Knochen wollte daraus nicht verschwinden. Genauso wie das Bild des brutalen Hiebes mitten in das Gesicht des Diebes nicht aus seinem Blickfeld wich. Er hatte die Augen weiß werden sehen und wie zwei Rinnsale Blut aus der verformten Nase gelaufen kamen. Fast im selben Augenblick war die Gesichtsfarbe von Braun in ein mattes Gelb umgeschlagen. Es sah sehr unnatürlich aus. War es das, fragte er sich. War er jetzt soweit Leben gegen Leben zu tauschen? Es zuzulassen?  Als sie hier runter gegangen waren, war es nur eine Möglichkeit gewesen, dass etwas derartiges passieren könnte. Der Unsichtbarkeitstrank hatte ihn beruhigt und er war schnell bereit gewesen sich einzubilden, dass sie einfach durchflutschen würden. Er blickte hinüber zu dem leblosen Körper, dann sah er nach oben zu Iareth und schwieg.

„Das muss es sein, oder?“, fragte Iareth während er die Tür untersuchte.

Es war nicht sehr laut hier oben, aber das Rauschen aus dem Sammelbecken hallte doch deutlich bis zu ihnen. In Anbetracht dessen, dass sie niemanden sonst gesehen hatten, schien es ungefährlich in normaler Lautstärke zu sprechen. Cyrus hockte sich hin und schlug mit der flachen Hand gegen die Tür in seinem Rücken.

„Zanodar? Wir sind hier um dich zu retten!“, rief Cyrus. Dann sagte er zu Iareth: „Ich hoffe doch. Da hinten kommt das nächste Sammelbecken. Da wird nix sein.“

„Kein Spalt. Gar nichts. Nur eine Klinke.“, gab Iareth das Ergebnis seiner Untersuchung bekannt.

Wieder machte Cyrus seine Augen zu. Er atmete gleichmäßig in die Brust und legte seine gesamte Empfindung in die Augen. Er fühlte wie sie aus den Höhlen zu treten versuchten. Kurzzeitig wurde alles still, dann hörte er alles wie durch zugehaltene Ohren, schließlich wieder klar. Er atmete weiter im Rhythmus. Als er die Augen öffnete war alles in die Farben Lila und Blau getaucht. Es strahlte von innen heraus, besser gesagt. Nur Iareth und er waren gelb und im Brustbereich und am Kopf rot. Der Dieb am Boden war noch Gelb mit grünen Beinen und Armen. Sein Rot verblasste.

„Er ist noch am Leben“, Cyrus zeigte auf ihn, ging aber nicht hin, sondern hielt inne und trat an die Balustrade. Weiter hinten hatte er etwas aufschimmern sehen. Er tippte Iareth auf die Schulter und nickte mit dem Kopf in die Richtung. Ein paar dutzend Schritte weiter fanden sie eine andere Tür. Iareth drückte die Klinke und dann gegen die schwere Eisentür. Innen war es dunkel, nur Cyrus sah alles in selbst strahlenden Farbtönen. In der Ecke kauerte ein Gelber Farbfleck und hütete seinen roten Kern. Er trat ein und ging auf den Fleck zu. Rechtzeitig bevor er gegen das engmaschige Gitter der abgetrennten Zelle lief, holte er den Welkyndstein heraus.

„Zanodar! Wir sind’s!“

Iareth griff in das Gitter und rüttelte daran. Es gab einen rasselnden Ton von sich.

„Ich gehe an die Tür und schaue ob einer kommt. Die Magie hält noch eine Weile“, sagte Cyrus.

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