Hausaufgaben 38

Bei jedem Schritt knarzte der Lederriemen in der Schnalle. Der Rucksack war nicht sonderlich schwer. Es lag wohl daran, dass er steif war. Er hatte Leisten in seiner Rückwand eingespannt, um die Last besser zu verteilen. Aber dadurch schaukelte er auch bei jedem Schritt leicht und machte dieses rhythmische Geräusch. Richtig Rhythmisch war es allerdings nur, wenn man zu sehr hin hörte. Immer wieder fiel es Sagit auf und immer wieder ärgerte er sich, dass er es wieder wahrnahm, nachdem er es erfolgreich vergessen hatte. Knarz, knarz. Er steckte die Daumen unter die Schulterriemen und zog sie etwas nach vorne. Das Geräusch verschwand. Aber lange würde er es nicht aushalten, das wusste er schon, bald würde es zu sehr in die Schultern schneiden und er würde den Druck wieder nachlassen müssen. Wie lange würden sie noch gehen müssen, überlegte er. Inzwischen war viel Zeit vergangen, seit er es nach Elinhir geschafft hatte. Damals war tiefer Winter gewesen und er hatte Mühe gehabt sich überhaupt zurecht zu finden. Er holte ein dickes Papier aus der Brusttasche und entfaltete es. Eigentlich war es unnötig sie immer wieder herauszuholen und darauf zu gucken. Die Karte kannte er auswendig. Er hatte sie nach seinen alten Notizen sorgfältig aufgezeichnet. In Gedanken war er jede Teilstrecke noch mal und noch einmal abgelaufen, um sich die markanten Punkte zu vergegenwärtigen. Dumm nur, dass in der Wirklichkeit die Dinge sich ändern. Büsche wuchern, Wiesen ändern ihre Farbe, Hänge verrutschen, Felsbrocken rollen zu Tal. Und das Zeitgefühl täuscht einen ständig. Müsste der Geröllhang nicht schon längst aufgetaucht sein? Er war doch vor diesem Grat gewesen? Also von entgegengesetzt gesehen, hinter ihm? Sagit faltete das Blatt und verstaute es wieder an seinen Platz. Ich erkenne es schon wieder, sobald ich es vor Augen habe, beruhigte er sich.

Iareth und Zanodar gingen vor ihm. Der Khajiit war sehr spät am Treffpunkt am Unteren Tor aufgetaucht und hatte von seinem neuerlichen Abenteuer als Bote berichtet. Sagit hatte dann in einer gemütlichen Taverne ihren Auftrag erläutert, der darin bestand aus einer alten Anlage, die für die Sternenbeobachtung errichtet worden war, einige wichtige Apparaturen zu holen, die sie brauchen würden, um die Dwemermaschinen zu aktivieren. Sie waren übereingekommen in aller Frühe aufzubrechen, weil es nicht absehbar war wie lange sie tatsächlich brauchen würden, um ihr Ziel im Drachenschwanzgebirge zu erreichen. Nun war es schon der dritte Tag. Iareth trug ein richtiges Holzgestell auf dem Rücken, auf dem eine Rolle mit aufgewickeltem Draht befestigt war. Zusammen mit seinen persönlichen Sachen war das ein ordentliches Gewicht. Zanodar hingegen hatte eine längliche Platte zusätzlich zu tragen. Sie war in Öl getränkte Lappen eingewickelt, so dass man nicht erkennen konnte was es war oder aus welchem Material es bestand. Sie war einigermaßen schwer und  es war unpraktisch, dass er statt eines Rucksackes einen Bottich auf dem Rücken geschnallt bekommen hatte.

Wieder knarzte es. Wenn er mit dem linken Fuß auftrat. Knarz, knarz. Es kam ihm so vor, als wäre die Sohle in seinem linken Schuh etwas härter. Oder nein, es fühlte sich eher wie eine Unebenheit an. Er misstraute seiner Wahrnehmung, aber er war froh das Geräusch verdrängt zu haben. Knarz. Er schallt sich wieder darauf reagiert zu haben. Ein Schweißtropfen rann ihm an der Braue vorbei in sein Auge. Mit dem Handrücken wischte er ihn weg. Dabei erkannte er in der Ferne einen steilen Hang von grauer Farbe. Deutlich hob sich ihr Pfad darauf ab. Das musste es sein. Es war nicht mehr weit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.