Bronzesoldaten 2

Er beobachtete seinen Finger wie er an der Bauchzeichnung ihrer Haut entlang strich. Die Schuppen waren hier größer, aber von der Konsistenz nicht anders als auf dem Rücken oder am Rest ihres Körpers. Es überraschte ihn immer wieder, wie weich ihre Haut war. Die Schuppen glänzten sanft und wirkten dadurch hart. Berührte man sie aber, erschrak man, weil der Tastsinn nicht diese sanfte Elastizität erwartet hatte. Ähnlich, wie man zusammenzuckte, wenn man einen vermeintlich gefüllten Korb anhob, der aber tatsächlich fast schwerelos war. Allerdings spürte man die Schuppenform am Bauch fast nicht mehr. Die Kleinen hatten Wölbung, wenn auch nur eine leichte, aber doch fühlbare. Doch am Bauch waren sie flach und selbst ihre Ränder waren fast nur als Zeichnung, als Kontur sichtbar. Auch wurden die Bauchschuppen nicht schlagartig größer. Es sah aus als wäre die Haut gedehnt worden und die Schuppen hätten sich nur widerwillig, Reihe für Reihe der Spannung ergeben. Ihre Muskeln zuckten und ließen ihre Schuppen erzitterten.

„He, du bist ja kitzlig.“

Sie strich sich über den Bauch und behauptete: „Bin ich nicht. Siehst du.“

„Ja schon klar.“

Cyrus erhob sich aus dem Bett und warf sich seinen Morgenmantel über. Er stieß mit dem Zeh an eine am Boden herumliegende Flasche. Triumphierend hielt er sie in die Höhe und sagte in gespielter Euphorie: „Ein Hoch auf das Dunkelstern Gedenkrennen!“

Martha lächelte und breitete, wie in einer Siegerpose ihre Arme aus. Mit verstellter Stimme erwiderte sie: „Setze nie auf Außenseiter!“

„Ho ho! Die Weisheiten des großen Camiro: Setze niemals nicht auf Außenseiter nicht. Und er hat doch recht. Für alle war Wirbelwind der Außenseiter. Nur wir wussten, dass er der heimliche Favorit war.“

Im Nachbarraum öffnete er die Speisekammer und schöpfte Wasser aus einem Eimer in einen Krug. Er schnappte sich zwei Äpfel und ging wieder zurück. Als er sich setzte wippte das Bett. Martha gluckste fröhlich.

„Dein Bett schaukelt so lustig wie eine Schaluppe im Wind. Warum schaukelt nur dein Bett so?“

„Es ist mein treues Gefährt auf dem Ozean der Begierde.“ Cyrus trank gierig das Wasser und biss dann in den Apfel.

„Ich will auch reinbeißen!“ Sie entwand ihm den Apfel und schlug krachend ihre Zähne hinein.

„Du machst mir manchmal Angst.“

„Wieso?“ Ihre Augen blickten ganz unschuldig drein.

Er warf ihr den anderen Apfel zu. „Hier du Biest!“

„Mist!“

„Was ist los?“

„Ich müsste in Mtardahrk sein.“ Cyrus schlug sich vor die Stirn. „Sagit und die Jungs sind da. Heute. Verflucht.“

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