Bronzesoldaten 8

„Nicht nötig?“ Iareth hielt an und sah zu Sagit hinüber, doch in der Dunkelheit konnte er sein Gesicht nicht erkennen. Ein Moment schwiegen beide. „Ich weiß das es nicht nötig war. Es war…“ Er brach ab. Nach dem Iareth den Bauern erschlagen hatte, hatten sie das Dorf verlassen. Von der unglücklichen Familie kam kein Klagen und kein Betteln. Sie saßen einfach apathisch am Tisch und harrten der Dinge. Jahi mit nassen Wangen, der Junge mit verkrustetem Blut auf Gesicht und Hemd und der alte Andor mit zerzaustem Haar. Sagit war heilfroh gewesen, dass es keine Diskussion um ein etwaiges weiteres Vorgehen bei den Dörflern gab. Sicherlich war es das Beste, diese Menschen und das Dorf ihrem Schicksal zu überlassen. Ein Toter war genug, dafür dass sie sich eingemischt hatten.

„Eine Eingebung?“, erwiderte Sagit schließlich, „Die Enthüllung deines zweiten Gesichtes? Was denkst du, ist es gut ein Daedragott zu sein ?“

„Was ist das für eine Frage?“ antwortete Iareth gereizt. „Ich habe mich einen Moment vergessen. Das passiert.“ Iareth wandte sich ab, froh darüber, dass Sagit sein Gesicht nicht sehen konnte. „Immerhin, diese Bauern wollten die Frau vermutlich töten und das Kind mit ihr.“

„Meinst du das hat sich geändert? Ich meine sie sammeln neuen Mut und vollenden ihre Pläne. Wir werden es sehen, wenn wir zurückkommen. Außerdem…“, Sagit zögerte, „Ich glaube du bist dazu fähig deinen Willen durchzusetzen. Vielleicht verlässt du dich zu sehr auf dein Bauchgefühl, aber…“, er vollendete seinen Satz nicht.

„Du verstehst das nicht, Sagit,“ sagte Iareth heftig, „du kennst den Krieg nur aus Büchern. Man lernt was zum Überleben nötig ist und das lässt einen nicht mehr los. Mein Kopf kann unterscheiden, zwischen Krieg und Frieden, aber mein Arm kann es nicht.“

Sie liefen den Rest der Nacht durch das Tal. Vorsichtig und langsam, denn es war dunkel und nur die Sterne leuchteten zahlreich am Firmament. Glücklicherweise folgte der Pfad dem Hang oberhalb der Bäume, sodass sie nicht viel Licht brauchten. Dann graute der Morgen und viel später am Vormittag erreichten sie endlich das Ende des Tals. Vor sich oben im Sattel zwischen zwei Gipfeln stapelten sich die windschiefen Turmruinen von Mtardarhk. Es war kein großer Ruinenkomplex. Aus der Nähe betrachtet erkannte man drei intakte Türme mit spitzen Kegeldächern, die sich in alle Richtungen neigten, aber noch mehr oder weniger aufrecht standen. Dazwischen  und drumherum waren umgestürzte Türme. Sie waren halb zerbrochen und durch die Zeit abgetragen. Insgesamt war es einst ein imposantes Bauwerk gewesen, das konnte man mit einiger Phantasie gut erkennen. Doch nach all den Jahrhunderten war davon nur noch ein auseinandergebröselter Rest geblieben. Ganz harmlos und grau. Ein wenig Moos hier und da an den windgeschützten Stellen, eine Graskappe auf einem Mauerrest und ein paar borstige Büsche in einem Spalt zwischen den Platten.

„Wir sind einen Tag zu spät und von Cyrus ist kein Hauch von Anwesenheit zu erkennen“, konstatierte Sagit. Er warf seinen schweren Sack zu Boden und betrachtete die Türme aus der Nähe. Tong die Dwemerspinne stand neben ihm und trällerte ihre fremdländische Melodie.

„Ich meine wir gehen rein“, sagte er entschlossen, „Wir hinterlassen ihm eine Nachricht. Er wird uns dann folgen.“ Er schaute zu Iareth, um zu erfahren was er dachte.

„Von mir aus, allerdings muss ich dringend einwenig Schlafen. Vielleicht gehen wir rein, sehen nach dem Rechten und schlagen dort unser Lager auf, falls es sicher ist.“

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