Bronzesoldaten 10

Cyrus erreichte das Dorf im Krallental am späten Nachmittag. Er ritt auf einem Esel, der nicht nur ihn trug, sondern auch leichtes Gepäck. Es war nicht viel, nur was sie für ihre kleine Expedition brauchten Proviant und Zelte. Die meiste Zeit war er neben dem Esel hergelaufen, nur ab und an lies Cyrus sich durchschütteln von dem hektischen Trab, um etwas Zeit aufzuholen. Widerwillig hielt der Esel an. Das Geschöpf tat alles widerwillig: loslaufen, anhalten, sich beladen lassen. Nur seine Nüstern ins Gras am Wegesrand stecken und sich zum Schlafen hinlegen, das tat es liebend gerne. Cyrus stieg ab und schaute sich um. Das Dorf war wie ausgestorben. Kein Einwohner, nicht einmal ein Haustier war zu sehen oder zu hören. Angesichts zweier schwelender Haufen zu Füßen zweier breiter Pfähle an denen den Umrissen nach zu urteilen zwei Menschen, einer klein und dünn, vielleicht ein Kind, verbrannt worden waren, zögerte er und sah sich genau um, jeden Winkel und Schatten ergründend. Cyrus überlegte, ob er den unheimlichen Ort verlassen sollte, doch dann sah er eine offen stehende Tür in der Hütte gleich neben ihm und beschloss sich zu erkundigen. Den Esel band er an eine Latte unter dem Vordach. Noch einmal lies er seinen Blick die Umgebung erkunden, dann ging er hinein. Als er in die düstere Stube trat, sah er einen alten Mann am Tisch sitzen. Mit krummen Rücken hockte er da, schüttelte fortwährend seinen Kopf und murmelte vor sich hin. Der Alte hatte schneeweißes Haar und einen zotteligen Bart.

„Grüße Dich! Was geht hier vor sich guter Mann?“

Der Alte richtete seinen wirren Blick auf Cyrus. Sein Kopf pendelte weiter vor und zurück nach einem lautlosen Takt. „Jetzt wo der Daedra selber hier war, musste Jahi und der Kleine gehen“, sagte der Alte in einem Ton, als wollte er Cyrus überzeugen.

„Jahi und der Kleine? Du meinst“, Cyrus vollendete seinen Satz nicht nachdem ihm dämmerte, was geschehen sein könnte.

„Es ist gut so. Gut so.“ Der Alte schluchzte verzweifelt auf. „Es ist gut so. Jetzt wo der Daedra selber hier war.“

„Wurdet ihr überfallen?“

„Erst der Brunnen. Dann das Monster. Schlitzt den Balabar auf“, sagte der alte Mann mit höher werdender Stimme, wie vor einem Weinkrampf, „Haben sie beide genommen und Tava gegeben.“

Cyrus schwieg und überlegte. Dann fragte er: „Sag, kamen hier drei Männer durch?“

Erst nach einer Weile reagierte der Alte. Die Frage drang nur langsam durch seine beanspruchten Gedanken. Er nickte. Das war nur daran zu erkennen, dass es eine schnelle Bewegung war, nicht wie das langsame Kopfschütteln. Außerdem sagte er noch ein Wort: „Daedra.“

Cyrus verlies die Hütte und band den Esel los. Durch das Dorf führte er das Tier an den kohlenden Pfählen mit den menschlichen Überresten vorbei. Sobald er die letzte Hütte hinter sich gelassen hatte stieg er auf und entfernte sich im stakkatohaften Trab auf und ab geworfen in Richtung der Ruinen von Mtardarhk, die er gegen Abend erreichte.

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