Bronzesoldaten 15

Plötzlich standen sie im Licht. Es war ein mildes Licht, schon weiß, aber angenehm für das Auge, fast wie Tageslicht umfing es sie und sie konnten nicht anders als beide zugleich über die Schwelle zu treten, es ging sogar ohne dass sie aneinander stießen, so breit war die Tür, wie auch der Raum in den sie nun traten, der aber vor ihnen zurückwich, grenzenlos wurde und trotzdem mit seiner Einrichtung aus natürlichen Objekten angefüllt blieb, Steine vor allem, Quader mit von der Erosion rundgeschliffenen Kanten, aber auch seltsamer Weise geschmiedete Zäunen, wie sie in Gruften und Friedhöfen genutzt wurden, dann änderte sich die Szenerie, jedenfalls kam es Sagit so vor, dass er plötzlich in einem Sessel vor einem riesigen ovalem Fenster saß und auf tausende kleiner Kerzenlichter starrte, Lichtquellen von unterschiedlicher Farbe, manche in Haufen zusammengeklumpt und manche spärlich gestreut und alle zusammen schossen sie in Linien an ihm vorbei, als kämen sie wie ein Bündel Strahlen aus einem Punkt, bis Wolken vor dem Fensterrund zusammenschlugen und alles zu schütteln begann, Tongs Stimme verkündete ihm, dass dies aller Wahrscheinlichkeit nach zu erwarten gewesen war, Sagits Finger verkrampften sich in den Lehnen und er schrie: ‚Ja, ja‘, und er stand wieder neben Iareth im grenzenlosen Raum, vielleicht etwas wackelig auf seinen erschöpften Beinen und mit Schweißperlen auf der Stirn, die er zu ihm drehte, um sehen zu können, ob seine Einbildung verschwunden war, aber Iareths Anwesenheit überzeugte ihn nicht recht, denn er sah bleich aus und hatte einen merkwürdigen Gesichtsausdruck, das veranlasste Sagit wieder nach vorn zu schauen und er hätte seine Hand ins Feuer legen können, wenn er nun nicht auch so dreinschaute, wie sein Kompagnon, wo nicht nur der Raum, sondern auch die Wirklichkeit sich auflösten und sich in dieser Gestalt wieder materialisierten, einer Gestalt aus purem Licht, wallendem Gewand, die Brust geschützt von einem goldenen Harnisch, eine bronzene Zange erhoben in der rechten Hand und ein pulsierendes Herz vor sich in der Linken, das ebenmäßige Gesicht zur Decke geneigt, wohin sich ihr Blick verlor; hatte der Ritter das gemeint, fragte sich Sagit, der Ritter, der das Licht suchte hier unten in den tiefsten Tiefen, doch weiter kam er nicht, denn die Gestalt erstrahlte in einem Kranz aus Licht und schwebte empor über ihre Köpfe und mit einer Stimme, die aus allen Richtungen gleichzeitig kam, forderte sie sie auf, auf die Knie zu fallen und ihr Häupter zu neigen, mit eben jenen Worten, die Sagit veranlassten wieder zu Iareth zu schauen, fragend, nur war jetzt keine Gelegenheit mehr, Blitze zuckten und sie fielen auf die Knie, die Häupter niedergedrückt, wie von einer mächtigen Hand, gleichzeitig rollte ein Gefühl von Entzücken schmerzhaft durch den Kopf und der Zauber verebbte.

Sagit sprang auf. „Was ist das?“, schrie er Iareth an und hatte das Gefühl taub zu sein.

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