Bronzesoldaten 33

Als Iareth erwachte fühlte er sich warm und erstaunlich entspannt. Eine Ruhe hatte von ihm besitzt ergriffen, die er angesichts der Umstände seiner Bewusstlosigkeit nicht erwartet hatte. Es dauerte eine Weile bis er den brennenden Schmerz in seinem Gesicht wahrnahm, der sich vom rechten Auge bis zum Hals zog. Er öffnete die Augen und fand sich noch immer in dem Raum, in welchem er das Bewusstsein verloren hatte. Er lag auf einem provisorischen Bett, zugedeckt und wie er bei dem Versuch sich zu bewegen feststellte, gefesselt. Er versuchte sich aufzurichten, doch seine Arme waren auf den Rücken gebunden und mit einem kurzen Strick an der Mauer befestigt. Die Decke, die ihn bedeckt hatte glitt von seinem Körper. In diesem Moment viel sein Blick auf einen Haufen Kleider die unweit auf dem Boden lagen und die er als seine eigenen erkannte. Er sah an sich hinab und stellte fest, dass er Barfuß bis zum Scheitel darsaß. Er stutzte, dann versuchte er sich aufzusetzen, was ihm gelang und ihm das Gefühl eines Rests von Würde gab.So saß er im Schneidersitz, nackt, gefesselt und ihm blieb nichts übrig als zu warten, was da seiner harren mochte. Eigentlich war seine Situation äußerst bedrohlich aber er kam nicht umhin zu grinsen. Erst sein ohnehin schon schwer erträgliches Intermezzo mit der Aurealen und jetzt das. Vielleicht, war es ja ein Traum seiner geistigen Umnachtung und eigentlich war er grade dabei Cyrus und Sagit abzuschlachten? Er lachte laut auf.

„Was gibt es denn da zu lachen?“ Abrupt verstummte Iareth und sah sich um, doch die Elfe war nirgends zu entdecken. Er horchte einen Moment, dann sagte er: „Das ist einfach das erste mal das ich nackt und gefesselt aufwache.“

„Ich hätte dich töten können und kann es noch immer.“ Sagte die Hochelfe. Endlich hatte Iareth sie entdekt, sie stand hinter einem Bücherregal und beobachtete ihn durch einen Spalt zwischen den Büchern.

„Ja,“ sagte Iareth gedehnt, „und dafür hast du mich weshalb nackt ausgezogen?“ Keine Antwort. „Ich habe dich, vorhin oder gestern oder wann das war für eine Aureale…“

„Ich musste deine Wunden versorgen.“ Unterbrach ihn die Elfe.

„Aha,“ sagte Iareth, “ dafür bin ich natürlich dankbar. Jedenfalls habe ich dich für jemand anderen gehalten, deshalb habe ich dich angegriffen.“

„Für jemand anderen?“

„Ja, einen Deadra, vermutlich, der spukt hier unten herum.“

„Natürlich.“

„Es wundert mich, dass du nichts davon mitbekommen hast, immerhin bist du Magierin und Hochelfe. Es ist doch unmöglich, dass du nichts bemerkt hast.“

„Ja ist es. WENN hier ein Deadra wäre, aber hier ist keiner.“

Iareth dachte nach. Es war unmöglich, dass hier unten jemand lebte, Magie praktizierte und einen mächtigen Deadra übersah, der hier ebenfalls sein Lager aufgeschlagen hatte. Sie musste Lügen.

„Aber deine sinnlose Geschichte zeigt mir, dass du genau das bist, wofür ich dich gehalten habe,“ fuhr die Elfe fort. „Ein ahnungsloser Grabräuber, oder Glücksritter oder irgendein Gesocks, der hier unten nach Schätzen sucht.“ Sie schnaubte verächtlich.

„Unsinn,“ erwiederte Iareth. „Ich bin auf einer Expedition. Ich habe dich angegriffen weil ich dich für die Aureale gehalten habe. Und du kannst ruhig hinter dem Bücherregal vorkommen, ich habe dich längst gesehen.“ Einen Moment herrschte Stille. Dann kam die Hochelfe hinter dem Regal hervor und blieb einige Meter von Iareth entfernt stehen. Sie musterte ihn. Iareth starrte trotzig zurück. „Ich hätte jetzt gern meine Kleider wieder,“ sagte er. Sie antwortete nicht. Iareth wurde ungeduldig. „Hörst du? Also, nett das du meine Wunden versorgt hast, aber am Schwanz war ich gar nicht verletzt.“ Sie machte ein empörtes Geräusch, drehte sich um und ging wieder in den hinteren Teil des Raumes.

„Hey, was denkst du dir denn, bleib gefälligst hier und binde mich los. Ich greife dich nicht wieder an, versprochen, ich hab doch gesagt das war ein versehen.“ Sie schnaubte.

„Du bist mein Gefangener,“ sagte sie mit herrischer Stimme, „gewöhn dich besser dran.“

„Was?“ Iareth starrte ungläubig in die Richtung ihrer Stimme. „Und wozu brauchst du hier einen Gefangenen?“ Wieder kam keine Antwort. „Hey, hallo? Falls du es nicht gemerkt hast, ich hätte dich umbringen können, aber ich habs nicht getan als ich meinen Irrtum eingesehen habe. Ich habe dich losgelassen als ich begriffen habe, dass du nicht die Aureale bist.“

„Von wegen!“ Die Elfe kam wieder hervor, „du dachtest ich wäre wehrlos und hast zu früh locker gelassen.“

„Und warum hätte ich das tun sollen?“

„Weil du ein Bandit bist und dachtest…“

„Ja?“

„…das ich lebend vielleicht wertvoller wäre.“

„Wertvoller?“ Iareth begriff nicht. Die Elfe starrte ihn mit zusammengekniffenen Lippen an. „Was soll den Wertvoller bedeuten? Was will ich denn mit einer wehrlosen Magierin?“ Die Hochelfe gab erneut ein empörtes Geräusch von sich und verschwand wieder.

„Hey, warte! Ich bin kein Bandit, ich sage die Wahrheit.“ Doch die Elfe hüllte sich in beleidigtes Schweigen und antwortete nicht mehr.

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