Bronzesoldaten 36

„Nein, nein und nochmal nein! Wir suchen ihn nicht!“

„Ich werde ihn nicht im Stich lassen“, erwiderte Cyrus scharf.

Sagit schwieg und musterte ihn angriffslustig nach einer Lücke in der Deckung suchend.

„Es ist ein Risiko, natürlich, aber wir brauchen ihn. Verstehst du?“, erklärte Cyrus.

„Gut. Ich möchte das du das Persönliche kurz weg lässt und dir das Große und Ganze anschaust. Das Schlimmste was Iareth passieren könnte ist, dass er auf das Wesen trifft und Es es schafft die Kontrolle über ihn zu übernehmen. Richtig? Haben wir dann eine Chance? Selbst zu zweit nicht! Du weißt was beim letzten Mal beinahe passiert wäre. Dein Gesicht sieht immer noch demoliert aus. Was kann uns da unten im Labyrinth von dunklen Gängen und Kammern geschehen? Wir gehen verloren. Wir erreichen nichts. Alles war sinnlos. Darum, Cyrus, höre mir zu! Wir gehen zurück und setzen die Zenrurios in Gang und dann räumen wir hier unten auf. Und kein Hirnsauger wird uns stoppen.“

Cyrus setzte zu einer Antwort an, doch dann hielt er inne. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand und raufte sich mit einer Hand die Haare. Dann schaute er Sagit an und sagte: „Du reimst nicht mehr.“

„Das freut mich zu hören.“

„Ja eine auf die Nerven gehende Angewohnheit weniger.“

„Du behauptest ich habe mehrere Angewohnheiten, die meine Mitmenschen auf die Palme bringen.“

„Was bedeutet das?“

„Was?“

„Na Palme. Wer bringt…“

„Vergiss es. Ist ein alter Kaiserstadtwitz.“

„Ah und wir Kleinstadtdeppen verstehen das nicht.“

„Dazu müsstet ihr ja in der Kaiserstadt leben.“

„Also sind wir alle Deppen.“

„Lenke nicht ab, sondern entscheide dich. Aber überlege was du aufs Spiel setzt.“

„Gut. Wir kehren um. Ich hoffe wir schaffen es schnell mit den Zenturios.“

Nicht allzu lange später waren sie wieder zurück in der großen Halle mit den Zenturio Ständen. Das schwere Licht sickerte von der Decke und tauchte den Raum in ein sattes Rot. Tong, die Dwemerspinne hämmerte mit einem seiner Beine gegen ein Zenturiofuß.

„Ich denke, dass ist der Vielversprechendste“, erklärte Sagit, „Er dampft aus allen Gelenken, das heißt er hängt noch an der Wasserversorgung und sein Kern entwickelt genug Hitze. Das wiederum bedeutet das seine Steuereinheit funktioniert. Sonst wäre er so totes Metall wie der da drüben.“ Sagit zeigte auf den Zenturio ohne Beine, dessen Torso im Gestell hing mit vornübergekippten Kopf.

Unter Sagits Anleitung machten sie sich an die Arbeit. Vor allem versuchten sie Löcher zu flicken, was leichter gesagt war, als ohne passendem Werkzeug und Material getan. Manche Risse waren offensichtlich und sie verstopften sie mit etwas passendem, wie einem Stein oder etwas Holz. Oder sie wickelten Lederstreifen, die Cyrus vom Deckel seiner Tasche geschnitten hatte, um defekte Rohre und verkeilten es irgendwie. Anderen Stellen kamen sie nicht so einfach bei und selbst wenn sie es schafften etwas von der Verkleidung abzunehmen, steckte der Schaden tiefer in der Mechanik.

„Zischt immer noch wie ein Teekessel, aber ich denke wir haben wenigstens die Hälfte abgedichtet. Wenn wir in der Stadt sind müssen wir richtig ernsthaft ran“, konstatierte Sagit.

„Du denkst wir schaffen es bis nach Elinhir damit? Wie optimistisch.“

„Hilf mir mal!“ Sagit holte ein Fässchen aus dem Rucksack auf dem ein kupferner Draht gewickelt war und gab es Cyrus. Dann stieg er auf eine Leiter und öffnete in der Brust des Zenturios eine Platte.

„Wickel etwas Draht ab und reiche mir das Ende“, forderte er Cyrus auf.

Cyrus hatte Mühe dem Nachzukommen, weil der Draht sich nicht so einfach wie eine Schnur behandeln ließ. Schließlich gelang es ihm und er hielt Sagit ein Ende hoch.

„Was wir brauchen ist ein ordentlicher Funke, der den Riesen aus dem Schlaf weckt.“

Er stieg von der Leiter, knipste das untere Ende des Drahtes vom Fässchen ab und steckte es in Tongs Dynamo. Dann wickelte er geschickt mehr Draht ab und holte die Schatulle aus seiner Tasche, die sie unter abenteuerlichen Umständen aus der Gruft erbeutet hatten. Er stellte hier auch eine Verbindung mit Tong her.

„So so“, Cyrus tat so, als wäre ihm alles klar verständlich.

Als Sagit fertig war, hielt er inne und klappte dann den Deckel auf. Er tat es merkwürdiger Weise auf eine feierliche Art, als wäre es etwas Besonderes einen schlichtes Kästchen zu öffnen. Aber es war tatsächlich nur eine normale Bewegung. Kein Feuerwerk, kein magisches Blitzen folgte. Cyrus schaute verwundert und Sagit schloss den kleinen Kasten und rüttelte an dem Draht herum. Dann strich er über die Seiten und öffnete den Deckel erneut. Ein fahles blaues Licht erstrahlte aus der Schatulle.

„Was…“

Sagit schaute auf, aber antwortete Cyrus nicht, sondern legte seine Hand in das wie ein Buch geöffnete Kästchen. Aus der Brust des Zenturios sprangen Funken. Dann klang es, als würde eine Metallkugel die Dachrinne herrunterkollern und das Ungetüm erzitterte in all seinen Gliedern und Körperteilen. Der heiße Dampf aus seinem Inneren schoss mit Gewalt aus allen Ritzen. Schließlich öffneten sich in einer dramatischen Geste die Tellergroßen Augen, als würde man Bratpfannen von den lodernden Löchern eines Kochherdes ziehen.

„Willkommen in der vierten Ära mein Freund“, begrüßte Cyrus den zu neuem Leben erweckten Zenturio.

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